Die am intensivsten globalisierten Unternehmen
sind in der BRD die Gentechnik betreibenden Chemie- und Pharma-Konzerne. Weltweit fällt
vor allem diese Branche mit der Anwendung "psychologischer Operationen"
zur Wahrnehmungs- und Gefühlssteuerung
in groß angelegten PR-Strategien auf.
Diese Methoden sollen Politikern und uns die Wahrnehmung von Widersprüchen zwischen
Anspruch und Realität der Gentechnik, der neoliberalistischen Globalisierung und des
Bush-Krieges gegen die "Achse des Bösen" entziehen. Mit ihrer Hilfe wird ein
"politischer Mythos" aufgebaut, der
die Politik und uns glauben machen soll, Gentechnik, das globale Spiel und der Bush-Krieg
seien sozial und ökologisch verantwortliches Handeln. Dieser politische Mythos
präsentiert globale Konzerne, allen voran die Gentechnikkonzerne, und die USA als
lichtbringende Versorger und unsere Zukunft.
Dieser politische Mythos
hat bereits weitgehend die Überzeugung durchgesetzt, daß sozial und ökologisch
verantwortliches Handeln nicht durch staatliche Regulierungen sichergestellt werden
müsse, weil es die "unsichtbare Hand des Marktes" schon sicherstelle. Denn
sozial und ökologisch unverantwortlich handelnde Unternehmen würde die "unsichtbare
Hand des Marktes " aus dem Wettbewerb entfernen, da sie Vertrauen, Ansehen und
Käufer verspielen. Aber gerade die Gentechnikkonzerne versuchen, die in Europa seit
Jahren berechtigt stabil hohe Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft und
Lebensmittelproduktion mit einem politischen Mythos zur Gentechnik
zu überwinden.
Globale Konzerne
drängen mit Unterstützung der USA über die Welthandelsorganisation (WTO) auf den Abbau
sämtlicher staatlicher Regulierungen und Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche
Finanzierungen und Subventionen, weil dies Handelshemmnisse seien - auch im
Dienstleistungsbereich (General Agreement on Trade in Services, GATS). Deshalb sollen
auch staatliche Versorgungsbetriebe privatisiert werden. Nach Post und Bahn sind in der
BRD nun die Wasserwerke und der Nahverkehr an der Reihe. Inzwischen drängen globale
Konzerne und die USA gemeinsam auf die Einbeziehung des Gesundheits- und Bildungswesens in
den Rahmen von GATS.
Daß diese
"Liberalisierung" des globalen Marktes nicht sozial und ökologisch
verantwortliches Handeln bewirkt, sondern im Gegenteil: unverantwortliches Handeln
entgrenzt, zeigt die Praxis der letzten Jahre: Denn unter dem Druck angedrohter
Verlagerung von Geschäftssitzen, Forschung und Entwicklung sowie Produktionsstätten
(Standortdebatte) deregulierten die Regierungen Steuer-, Wirtschafts-, Wissenschafts-,
Technik-, Arbeits- und Sozialrecht - mit der Folge leerer Staatskassen, enormer
Abgabenbelastung der Löhne und Gehälter, steigender Arbeitslosigkeit, schwindender
Unabhängigkeit der Wissenschaft, steigender Risiken von Innovationen, zunehmender
Oligopolisierung nahezu aller Branchen usw.
Insbesondere bei
Innovationen wie z.B. Gentechnik und Mobilfunk mißbrauchen globale Konzerne für
eine schnelle Vermarktung unausgereifter Produkte mit ungeklärten Risiken gewachsenes
Recht, das den tiefen Eingriffen der Innovationen in soziale und ökologische
Zusammenhänge nicht mehr gerecht werden kann; und die Gestaltung neuer Gesetze
beeinflussen sie mit höchstem Lobbyaufwand und der Drohung von Standortverlagerungen so,
daß sie Verantwortungslosigkeit legalisieren. Fortan pochen sie darauf, daß ihr Handeln
unbedenklich und verantwortlich sei, weil es den Segen des (immer abhängigeren) Staates
habe und Recht und Gesetz einhalte.
Daß die faktische
Praxis der globalen Konzerne ihrer neoliberalistischen
Ideologie von der selbstregulierenden "unsichtbaren Hand des Marktes"
widerspricht, soll durch den politischen Mythos verschleiert werden. Mit ihm versuchen
globale Konzerne in den Augen der Menschen als die besseren Staaten zu erscheinen. Dazu
setzen "psychologische
Operationen" ein, die das Wahrnehmungs- und Denkvermögen der Menschen stören
und ihre Wahrnehmung und kollektive Gefühle steuern (perception managment).
Durch
einen unterhaltsamen Auftakt öffnet das Seminar den Zugang zur Welt kollektiver Gefühle
und ihren Wurzeln in den Mythen von"Old Europe". Das Seminar führt anhand von Beispielen aus der Gentechnik und
der "Versorgungs"-Branche (Bilder, Texte, Begriffe, Firmenauftritte,
Internetseiten) durch Anwendungen und verborgene Ziele dieser Methoden in der Öffentlichkeitsarbeit, die dem Westen auf Erden und
der Ablösung von Staaten durch Konzerne den Boden bereiten. Es zeigt die Synergien
zwischen verschiedenen Psychologischen Operationen in weit voneinander entfernten Feldern
auf (Gentechnik, Versorgungsbranche, Bush's Kriege gegen das Böse und den Irak). Wechsel
zwischen Vorträgen, Gesprächen, Übungen der Selbstwahrnehmung, ergründenden und
kreativen Aktivitäten soll das Zusammenspiel zwischen "psychologischen
Operationen" und kollektiven Gefühlen erlebbar machen. Die Teilnehmer werden angeleitet, die Wirkung
dieser Methoden in sich zu beobachten und deren Anwendung und Ziele hinsichtlich
ökologischer, psychologischer und sozialer Verantwortung der Konzerne ("corporate
social responsibility") resistent zu bewerten.
Ziel
des Seminars ist, Kriterein zu vermitteln, an denen die Anwendung der
Wahrnehmungssteuerung und ihre Ziele erkannt werden können, und das
Unterscheidungs- und Urteilsvermögen, differenziertes Denken und eigenständige
Wahrnehmung, die diese Methode angreift, zu festigen. Damit soll eigenständigem Denken
und Urteilen ein fester Weg aus der Ohnmacht in der täglichen Flut von
Medieninformationen über die Gentechnik gebahnt werden, in der Wahrheit und Täuschung
nicht mehr voneinander unterscheidbar sein sollen, um Ohnmacht zu verbreiten.
Abschließend sollen Wege erkundet werden, die gewonnenen Einsichten wirksam
weiterzugeben.
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Hamburg/Bremen
16.-18.5.03
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