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"Mit dem Anbau gentechnisch veränderten Pflanzen können Sie zwar nicht mehr verdienen, aber sie werden überleben." Ein Vertreter von Bayer Crop Science auf dem DBV-Perspektivforum "Koexistenz und Wahlfreiheit" zu einem Bio-Landwirt.

Utilitarismus: http://www.phillex.de/utilitar.htm

Stationen der Debatte:
http://www.information-philosophie.de/philosophie/gentechnologie01.html
http://www.information-philosophie.de/philosophie/genethik.html

Die Debatte
um PID, Klonen und embryonale Stammzellen
Ausgewählte Beiträge in chronologischer Reihenfolge Reden, Beiträge und Hintergrundinformationen zum Thema:

Politiker:

Rede des Bundespräsidenten zu "life science": 
"Wir brauchen Aufklärung im besten Sinn des Wortes. Aufklärung richtet sich gleichermaßen gegen irrationale Ängste und apokalyptische Vorstellungen wie gegen pure technische Machbarkeitsphantasien."

Grundsatzbeitrag des Bundeskanzlers zur Gentechnik / Von Gerhard Schröder. In: Die Woche, 20.12.2000

Wo die Menschenwürde beginnt / Von Julian Nida–Rümlin. in: Tagesspiegel, 03.01.2001

Ich warne vor absoluten Verboten
Bundespräsident Rau hat in seiner "Berliner Rede" Stellung gegen die PID bezogen. Roman Herzog erklärt, warum er in dieser Frage eher auf der Seite des Kanzlers steht / Von Roman Herzog. In: Die Welt, 28.05.2001

Der Staat und die Heiligkeit des Lebens
Bioethik ohne Gott ist möglich. Sie muss nur die Erfahrungen der deutschen Geschichte aufnehmen / Von Michael Naumann. In: Die Zeit, Nr. 26/2001

Der Mensch kann seine Freiheit nutzen
In der Bioethik ist moralischer Rigorismus fehl am Platz / Von Wolfgang Schäuble. In: Die Welt, 13.07.2001

Post vom Kanzler
"Ratlosigkeit, Befremden und auch Kopfschütteln" - mit diesen Worten beschreibt Gerhard Schröder seine Reaktionen auf eine in der ZEIT abgedruckten Rede Michael Naumanns. Doch dieser schweigt nicht. Ein Briefwechsel zur bioethischen Debatte / Von Gerhard Schröder und eine Antwort von Michael Naumann. In: Die Zeit, Nr. 31/2001

Das "C" und die Gewissensfreiheit
Von Friedrich Merz. In: Die Welt, 22.01.2002

Keine Embryos für die Forschung!
Der Parteien übergreifende Gesetzesbeschluß des Bundestages zum Verbot des Importes menschlicher Embryonal-Stammzellen wird sein Ziel erreichen / Von Maria Böhmer. In: Die Welt, 25.04.2002 http://www.maria-boehmer.de/ http://www.helmut-heiderich.de/bt12.htm

Wollen wir Kleinstädte in Kühlhäusern?
Warum die Embryonenselektion keine Lösung ist / Von Maria Böhmer.In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2002. http://www.maria-boehmer.de/

FREMDE FEDERN: Monika Knoche (Bündnis90/DieGrünen)
Die Fehlbildung des Kindes wird zur Krankheit der Frau.In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2002

Von FRau ist nicht die Rede. in Das Parlament: http://www.das-parlament.de/2001/24/Bundestag/2001_24_026_5678.html

Philosophen

Nur wer die Sehnsucht kennt
Wann immer das Leben beginnen mag, das Lebensrecht beginnt erst mit der Fähigkeit, Wünsche zu haben / Von Norbert Hoerster. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2001

Gezeugt, nicht gemacht
Wann ist der Mensch ein Mensch? Das britische Parlament hat den Verbrauch von Embryonen erlaubt, und Kulturminister Julian Nida-Rümelin verteidigt diese Genehmigung. Sie ist aber ein Anschlag auf die Menschenwürde / Von Robert Spaemann. In: Die Zeit, Nr. 04/2001

Rechte für Embryonen?
Die Menschenwürde lässt sich nicht allein auf die biologische Zugehörigkeit zur Menschheit gründen. Eine Antwort auf Robert Spaemann und ein Vorschlag wider das Geläufige / Von Reinhard Merkel. In: Die Zeit, Nr. 05/2001

Rechte für Embryonen?
Die Menschenwürde lässt sich nicht allein auf die biologische Zugehörigkeit zur Menschheit gründen. Eine Antwort auf Robert Spaemann und ein Vorschlag wider das Geläufige / Von Reinhard Merkel. In: Die Zeit, Nr. 05/2001

Die Abtreibungsfalle
Es gibt in Deutschland keinen grundrechtlichen Schutz für den Embryo. Das zeigt nicht die Verfassung, sondern das Abtreibungsrecht. Die therapeutischen Ziele der Stammzellforschung haben moralisch mehr Gewicht als unsere Schutzpflichten / Von Reinhard Merkel. In: Die Zeit, Nr. 25/2001

Missbrauch der Medizin
Die Märchen der Embryoverbraucher / Von Volker Herzog. In Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2001

Geprägte Form, doch zweckbewußt zerstückelt
Wann ist ein Mensch kein Mensch? Wenn die Wissenschaft von ihrem Wissen nichts mehr wissen will und sich in den Mythos zurückverwandelt / Von Gerold Prauss. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2001

Was gibt's denn da zu gucken?
Menschenwürde nach Hubert Markl: Freiheit an der Grenze zur Freibeuterei / Von Thomas Sören Hoffmann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2001. http://www.philosophie.uni-bonn.de/hoffmann/index.html

Kirche / Theologie

Ist die CDU noch christlich?
Von Joachim Kardinal Meisner In: Die Welt, 19.01.2002

Pluralismus als Markenzeichen
Eine Stellungnahme evangelischer Ethiker zur Debatte um die Embryonenforschung
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2002

Wo sind hier die Dunkelmänner?
Während die Vordenker des Embryonenverbrauchs Geheimpapiere zirkulieren lassen, spricht die Kirche klar und deutlich / Von Walter Mixa. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2001. vita: http://www.bistum-eichstaett.de/bischof/index.html?leben.htm~haupt

Was dürfen, was sollen wir tun?
Fragen eines Philosophen zu den Fortschritten in der Biomedizin / Von Richard Schröder (evangelischer Theologe und SPD-Politiker). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2001 http://www2.rz.hu-berlin.de/theologie/schroeder/index.htm

"Theologie als Lebenswissenschaft"
Vortrag von Bischof Hein

Die Gentechnik ist ein Forschungsbereich, der ungeheure Zukunftsvisionen freisetzt. Da man hier die Schlüsseltechnologie für die Märkte des 21. Jahrhundert zu erkennen meint, wird viel Geld in die Forschung investiert. Manche Forscher sehen sich schließlich auf dem Weg, selbst in die Rolle des Schöpfers von Leben zu treten und so den Religionen wie dem etwa dem Christentum oder dem Judentum einen angestammten Bereich ihrer Glaubensüberzeugungen durch die wissenschaftliche Forschung zu entreißen. Der amerikanische Sozialphilosoph Ronald Dworkin redet offen von der "falschen Angst, Gott zu spielen". In den neuen Wissenschaften sieht er eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen, "denn die Alternative wäre unverantwortliche Feigheit vor dem Unbekannten".

Geisteswissenschaftler / Intellektuelle

Wollt ihr das totale Engineering?
Ein Essay über den Terror der technisch-ökonomischen Intelligenz, über den Verlust von Kultur und Gedächtnis, über unsere Entfernung von Gott / Von Botho Strauß. In: Die Zeit, Nr. 52/200

Kulturkampf um die Gattung Mensch
Die Debatte ist vorüber! Die Debatte beginnt! Zur Stammzellenforschung in Deutschland / Von Wolfgang Frühwald (Literaturwissenschaftler). In: Die Welt, 07.03.2002 http://www.radio-bremen.de/autoren/fruehwald_wolfgang.html   http://www.lebenswissen.de/2veranstalt/index-2.htm?http://www.lebenswissen.de/2veranstalt/streit.htm

Der Umbau am Menschen
Bei der Manipulation der Schöpfung geht es jetzt um die Frau / Von Silvia Bovenschen (Literaturwissenschaftlerin). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2002 http://www.bachmann-preis.carinthia.at/bovenschen.html

Naturwissenschaftler

Die Ethik des Genoms
Warum wir Gott nicht mehr die Zukunft des Menschen überlassen dürfen / Von James D. Watson
. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2000

"Den Göttern gleich' ich nicht!"
1,8 Prozent von drei Milliarden - das ist der Mensch: Was nicht nur Joschka Fischer von der Gentechnik wissen sollte / Eine Handreichung / Von Christiane Nüsslein-Volhard. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2001

Freiheit, Verantwortung, Menschenwürde: Warum Lebenswissenschaften mehr sind als Biologie / Von Hubert Markl. Ansprache anlässlich der 52. Ordentlichen Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Berlin, am 22. Juni 2001.

ine Raupe ist noch lange kein Schmetterling
Wider den Mythos vom evolutionären Rubikon: Wann der Mensch zum wirklichen "Menschen" wird, ist allein unsere Entscheidung / Von Hubert Markl. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2001

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/news/20607/index.html
http://www.biologe.de/themenartikel/dasmagazin/gentechnik.html
http://www.mpg.de/reden/2001/hv/markl.htm
http://www.berlin-chronik.de/Lesezei/blz99_06/text40.htm

Ärzte

Wir wissen nicht weiter
Die Ärzteschaft delegiert ihre Fragen / Von Jörg-Dietrich Hoppe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2001.

http://www.aerztetag.de/25/10Baekground/105/StHoppe.html

Krieg der Ärzte
Die Regierung plant eine ethische Revolution / Von Ulrich Montgomery. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2001.

http://www.montgomery.de/  http://www.bundesaerztekammer.de/05/40Organe/10vorstand/Vorstand1/montgomery.html

Gebt uns die Lizenz zum Klonen!
Ein Plädoyer für die schrankenlose Nutzung von Gen- und Biotechnik / Von Ulrich Mueller. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2001.

http://www.spd-marburg.de/marburg/UlrichMueller.html http://www.med.uni-marburg.de/d-einrichtungen/medsoziologie/

Kritische NGOs

Mein Bauch gehört mir
Von Claudia Kaminski (Bundesverband Lebensrecht). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2002. http://www.bv-lebensrecht.de/

Entbunden
Bald gibt es die künstliche Gebärmutter / Von Jeremy Rifkin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2002

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Heilen als Ideologie
Die Zeit des Schönredens ist vorbei / Von Stephan Sahm. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2001

Heilungsversprechen versus Menschenwürde
Elemente einer Kritik der neuen Biotechnologien / Von Santiago Ewig. noch nicht publiziertes Dokument

Die Würde ist immer die Würde des anderen
Der Schöpfungsglaube hat einen rationalen Gehalt, der in der Debatte um die Biopolitik konsequent entfaltet werden sollte / Von Eberhard Schockenhoff. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2002

Kind als Schaden, Töten als Therapie?
Bei der Reform des §218 im Jahr 1995 wurden entscheidene Fehler gemacht. Die Streichung der embryopathischen Indikation stellt allein auf das Zumutbarkeitskriterium der Schwangeren ab - Gastkommentar / Von Hermann Hepp
In: Die Welt, 10.09.2002

Diese und andere Beiträge z.T. veröffentlicht in:

Geyer Christian (Hg.), Biopolitik: Die Positionen. Frankfurt a. M. 2001, 302 Seiten. ISBN: 3-518-12261-4. Suhrkamp Verlag
Um die neuen Möglichkeiten der Gentechnologie ist eine intensive Debatte entbrannt. Dabei verlaufen die Argumentationslinien quer zu den weltanschaulichen und politischen Positionen. Zum Streit um das ethische Selbstverständnis der Gattung, um Autonomie und Selbstbeschränkung sind in diesem Buch Beiträge gesammelt, die vorwiegend im Jahr 2001 in der 'FAZ' und 'die Zeit' erschienen sind. Es handelt sich gleichsam um eine Momentaufnahme der Debatte. Sie finden folgende Beiträge:

Elisabeth Beck-Gernsheim, Die soziale Konstruktion des Risikos - das Beispiel Pränataldiagnostik, zuerst in: Soziale Welt 47 (1996), S. 284-296).
Robert Spaemann, Gezeugt, nicht gemacht, zuerst in: Die Zeit vom 18.1.2001.
Reinhard Merkel, Rechte für Embryonen?, zuerst in: Die Zeit vom 25.1.2001.
Otfried Hoffe, Wessen Menschenwürde?, zuerst in: Die Zeit vom 1.2.2001.
Robert Spaemann, Wer jemand ist, ist es immer, zuerst in: FAZ vom 21.3.2001.
Patrick Bahners, PID: Nur keine Sentimentalitäten, zuerst in: FAZ vom 12.4.2001.
»Die Notwendigkeit der Abwägung stellt sich immer wieder neu«, Gespräch mit Gerhard Schröder, zuerst in: FAZ vom 3.5.2001.
»Wir wollen keine Menschen züchten«, Gespräch mit Ernst-Ludwig Winnacker, zuerst in: FAZ vom 5.5.2001.
Margot von Renesse, PID: Verbieten hilft nicht, zuerst in: Die Woche vom 11.5.2001.
»Das Tor zur Selektion ist geöffnet«, Gespräch mit Ernst-Wolfgang Böckenförde, zuerst in: Süddeutsche Zeitung vom 16.5.2001.
Ulrike Riedel, Der erschlichene Embryo, zuerst in: FAZ vom 17.5.2001.
»Die Würde des Embryos ist unbezweifelbar«, Gespräch mit Herta Däubler-Gmelin, zuerst in: FAZ vom 22.5.2001.
Mark Siemons, Würde? Mit dem Embryo schützt der Staat sich selbst, zuerst in: FAZ vom 25.5. 2001.
Hille Haker, PID: Ein in jeder Hinsicht gefährliches Verfahren, zuerst m: FAZ vom 26.5.2001.
Andrea Fischer, Wir sind für Gentechnik. Aber nicht auf Kosten des Embryos, zuerst in: FAZ vom 1.6.2001 (leicht gekürzte Fassung ihrer am 31.5. 2001 im Bundestag gehaltenen Rede).
Henning Ritter, Die Zerreißprobe. Was man der Menschenwürde nicht zumuten darf, zuerst in: FAZ vom 10.6.2001.
Gerd Roellecke, Lieber ein Hoffnungsschimmer als Dunkelheit, zuerst in: FAZ vom 12.6.2001.
Christian Schwägerl, Die Geister, die sie riefen, zuerst in: FAZ vom 16.6.2001.
Hubert Markl, Freiheit, Verantwortung, Menschenwürde, Ansprache auf der 52. ordentlichen Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, Erstdruck in: Die Welt vom 22.6.2001.
Frank Schirrmacher, Bürger Markl, zuerst in: FAZ vom 26.6.2001.
Stephan Sahm, Er kann auch anders: Der doppelte Markl, zuerst in: FAZ vom 7.7.2001.
Patrick Bahners, Bürger Embryo, zuerst in: FAZ vom 2.7.2001.
Claus Bartram, Warum auf den Ethikrat warten?, zuerst in: FAZ vom 29.6.2001.
Josef Wisser, Einzigartig und komplett, zuerst in: FAZ vom 20.7.2001.
Jakob Augstein, Bis über beide Ohren in der Petrischale, zuerst in: Süddeutsche Zeitung vom 2.7. 2001.
Rainer Flöhl, Embryonale Stammzellen (s. S. 229), zuerst in: FAZ vom 5.7. 20OI.
Horst Dreier, Konsens und Dissens bei der Interpretation der Menschenwürde, zuerst unter dem Titel Große Würde, kleine Münze in: FAZ vom 5.7. 2001.
Wolfram Höfling, Wider die Verdinglichung, zuerst unter dem Titel Zygote - Mensch - Person in: FAZ vom 10.7. 2001.
Ernst Benda, Die Verfassung und das Leben, unter dem Titel Würde des Menschen - Würde des Lebens am 14.6.2001 vorgetragen auf dem evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main; Erstdruck.
Michael Naumann, Der Staat und die Heiligkeit des Lebens, gekürzter Abdruck einer Rede vom 14.6. 2001 auf dem evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main, zuerst in: Die Zeit vom 18.7.2001.
Der »optimierte Mensch«, Gespräch mit Wolfgang Frühwald, zuerst in: Forschung & Lehre, August 2001.
Gerd Kempermann, Der Traum neuer Zellen für neue Menschen, zuerst in: FAZ vom 17. 8.2001.

 

Kulturkampf um die Gentechnik

Gentechniker haben das menschliche Erbgut zum großen Teil entziffert. Krankheiten könnten besser geheilt, das Rätsel des Alterns und Sterbens könnte gelöst werden. Wer diese Informationen gewissenlos anwendet, kann Menschen manipulieren, kontrollieren oder züchten.

Die ethische Debatte über Möglichkeit und Praxis ist – wie einige meinen, zu spät - entbrannt. Jüngstes Beispiel: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft befürwortet, Stammzellen an Embryonen zu erforschen. Dies lehnen Kirchenleute, aber auch Politiker wie die Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) ab. Andere sind zumindest für eingeschränkte Gentests bei künstlich befruchteten Embyros, um Krankheiten auszuschließen. WELT online dokumentiert die laufende Debatte.

Wichtige Begriffe der Gentechnik


Das Klonen spaltet die Vereinten Nationen

Der UN-Rechtsausschuss vertagte letzte Woche eine Entscheidung auf die kommende Sitzung der Generalversammlung im September 2003
(vom 11. 11. 2002)

"Therapeutisches Klonen ist ethisch vertretbar"

Der US-Stammzellforscher Rudolf Jaenisch erhält den Robert-Koch-Preis
(vom 28. 10. 2002)

Enzyme als Assistenten des Gentherapeuten

US-Forscher schauen sich Trick bei Viren ab, um Ersatz für defekte Gene gezielter ins Erbgut einzubauen
(vom 15. 10. 2002)

Neuseeland erlaubt den Einbau menschlicher Gene in Rinder

Tiere sollen nach dem Willen der Wissenschaftler Proteine erzeugen, die sich zur Behandlung bestimmter Krankheiten eignen
(vom 02. 10. 2002)

EU verweigert vorläufig Geld für Stammzellenforschung

"An schon existierenden embryonalen Stammzellenlinien kann aber geforscht werden"
(vom 30. 09. 2002)

Die moderne Medizin soll vom Klon-Schaf Dolly profitieren

Genforscher Ian Wilmut zeichnet die Vision einer individuell optimierten Therapie mit Arzneien - Forschung mit embryonalen Stammzellen geplant
(vom 26. 09. 2002)

US-Staat Kalifornien erlaubt Forschung mit embryonalen Stammzellen

Die Forschung an embryonalen Stammzellen zu medizinischen Zwecken soll in Kalifornien grundsätzlich erlaubt werden
(vom 24. 09. 2002)

Estlands Bürger werden zum gläsernen Volk

Startschuss für das Estnische Genom-Projekt. Hausärzte sollen Erbgutproben sammeln
(vom 09. 09. 2002)

Estlands Gen-Experiment

Jetzt müssen sichere Standards für den Datenschutz etabliert werden - Kommentar
(vom 09. 09. 2002)

Aufstand gegen die Macht der Patente

Immer mehr Wissenschaftler und Laboratorien wehren sich gegen die Kommerzialisierung des menschlichen Erbguts. Der Patient bleibt auf der Strecke
(vom 25. 08. 2002)

Forscher: Angst vor Gen-Pflanzen ist weitgehend unbegründet

Insgesamt fünf transgene Pflanzen sind derzeit im Welthandel anzutreffen, und um sie rankt sich ein erbittert geführter Glaubenskrieg
(vom 25. 08. 2002)

Verbesserte Methode zum Klonen von Nutztieren

Um einen geklonten Embryo herzustellen, wird eine erwachsene Zelle des zu klonenden Tieres mit zwei kernlosen Zellhälften einer Eizelle verschmolzen
(vom 16. 08. 2002)

Eine Gen-Maus bleibt für immer schlank

Fehlendes Enzym verhindert Bildung von Fettdepots. Ein möglicher Ansatz für ein Medikament gegen Übergewicht
(vom 15. 08. 2002)

Patentamt schränkt Herstellung von Stammzellen ein

"Edinburgh"-Patent zur gentechnischen Veränderung von Erbgut umfasst jetzt nicht mehr embryonale Stammzellen
(vom 25. 07. 2002)

Grüne Gentechnik drängt auf den Markt

Nutzen und Risiken transgener Pflanzen werden noch immer kontrovers diskutiert
(vom 25. 07. 2002)

Wie Gene in Pflanzen gelangen

Strategie der Gentechnologie
(vom 25. 07. 2002)

"Wir müssen den Theoriediskurs hinter uns lassen"

Nach Wunsch der Industrie soll sich die Erfolgsgeschichte der grünen Gentechnik auch in Deutschland fortsetzen können
(vom 25. 07. 2002)

Stammzellen oft durch Mausgewebe verunreinigt

Nur wenige Stammzellen-Linien sind für Therapien geeignet. Britische Experten halten die deutsche Fristenregelung für unsinnig
(vom 23. 07. 2002)

Staatliche Lizenz für medizinische Experimente mit Stammzellen

Die Lizenz erlaubt reine Grundlagenforschung
(vom 23. 07. 2002)

In Singapur dürfen die Klonforscher nun tun, was sie auch schon bisher taten

Die Richtlinien zur Stammzellforschung in Singapur entsprechen im Prinzip den gesetzlichen Regelungen in Großbritannien
(vom 19. 07. 2002)

Neu entdeckter Genschalter macht das Klonen einfacher

Die Entdeckung könnte vielen unfruchtbaren Paaren helfen, Kinder zu bekommen
(vom 19. 07. 2002)

Neue Diabetes-Therapie mit Stammzellen

Ein Hormon sorgt für die Umwandlung in die Insulin produzierenden Betazellen. Züchtung im Labor erfolgreich
(vom 18. 07. 2002)

Laserstrahlen öffnen Zellen für die Gentherapie

Jenaer Forscher schleusen Fremd-Gene in Zellen ein. Die Methode ist anderen Verfahren des DNA-Transfers überlegen
(vom 18. 07. 2002)

Kartoffel-Konsum stagniert - Kongress diskutiert Gentech

Der Einsatz der Gentechnik zielt insbesondere auf Ertragssteigerungen durch Krankheitsbekämpfung und Schädlingsresistenz
(vom 17. 07. 2002)

Gute Geschäfte mit Islands Gen-Datenbank

US-Unternehmen Decode vor neuen Kooperationen mit Pharmakonzernen
(vom 16. 07. 2002)

Gen-Manipulation ist umkehrbar

Eine revolutionäre Technik kann eingeschleuste Gene aus Pflanzen wieder entfernen. Gesundheitsrisiken werden damit ausgeschlossen
(vom 14. 07. 2002)

Stammzellen-Gesetz erschwert Forschung

Deutsche Forschungsgemeinschaft kritisiert Regelungen in Deutschland
(vom 05. 07. 2002)

Die Ethik menschlicher Ersatzteile

Deutsch-französischer Dialog über Gewebe- und Genbanken
(vom 02. 07. 2002)

Embryonale Stammzellen lindern Parkinson-Symptome

Erfolgreiche Tierversuche mit Ratten. Auch adulte Stammzellen können sich zu fast allen Gewebetypen entwickeln
(vom 21. 06. 2002)

Schluss mit der Gen-Paranoia

Gastkommentar
(vom 08. 06. 2002)

Der Tiger im Teufel

Wissenschaftler arbeiten seit Jahren daran, ausgerottete Tierarten als Klone wieder zum Leben zu erwecken. Jetzt ist es offenbar australischen Forschern erstmals gelungen, größere Mengen Genmaterials einer Art zu sammeln
(vom 30. 05. 2002)

Saarland wird geplantes Stammzellengesetz ablehnen

Müller sagte der WELT, das Gesetz sei "bereits im Titel irreführend"
(vom 30. 05. 2002)

Scheitert die maßgeschneiderte Medizin der Zukunft an Patentrechten?

Die Entwicklung neuer Therapien droht teuer zu werden. Eine Gentechnikfirma pocht auf ihre Lizenzen
(vom 26. 05. 2002)

Chinesen wollen Pandas klonen

Umstrittene Maßnahme zum Erhalt der bedrohten Tierart. Gesetz zum Verbot des menschlichen Klonens steht noch aus
(vom 25. 05. 2002)

Patent 6.211.429: Der geklonte Mensch

Eine amerikanische Universität hat ein Patent für das Klonen von Säugetieren erhalten. Ausdrücklich darin erwähnt: menschliche Eizellen. Ein erster Schritt zum patentierten Menschen?
(vom 23. 05. 2002)

Berliner Zeitung

Aufklärung über technologische Allmachtsfantasien

Forschungsministerin Bulmahn eröffnet Jahr der Lebenswissenschaften und hofft auf eine breite Debatte über Gentechnik

BERLIN, 2. Februar. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat in Berlin das Jahr der Lebenswissenschaften eröffnet. Sie hofft, damit vor allem über die Bio- und Gentechnologie eine breite Debatte in der Gesellschaft anzustoßen. "Kein anderes Forschungsfeld bewegt die Menschen emotional, rational und intellektuell so sehr wie die Lebenswissenschaften", sagte Bulmahn.

Die Ministerin beteuerte, dass sie die Ängste und Befürchtungen der Bevölkerung gegenüber der Gentechnik ernst nehme. Sie betonte jedoch am Donnerstagabend: "Wissenschaft lebt nicht in einem rechtsfreien Raum, sie ist an ethische und rechtliche Maßstäbe gebunden."

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Der entschlüsselte Mensch: Beginnt ein neues Zeitalter?" erinnerte Bulmahn daran, dass es bei neuen wissenschaftlichen Methoden wie der Gentechnik entscheidend sei, mit welchen Zielen sie betrieben würden. Umweltfreundlichere Substanzen oder bessere Medikamente und Therapien zu entwickeln, halte sie für erstrebenswerte Ziele. Gentechnische Forschung mit dem Ziel, einen Menschen zu klonen, bezeichnete die Ministerin dagegen als "pervers".

Die beiden Naturwissenschaftler in der Diskussionsrunde, Jens Reich vom Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin in Berlin-Buch und Christiane Nüsslein-Volhard vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen, verwiesen darauf, dass die Vision vom geklonten oder genetisch perfektionierten Menschen nicht nur verwerflich, sondern auch technisch unrealistisch sei. "Ich glaube nicht, dass es möglich ist, einen Menschen zu designen", sagte Reich.

Die Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard hält das Klonen per Kerntransfer, wie es erstmals bei dem Schaf "Dolly" angewendet wurde, für ein technisch ineffizientes Verfahren. Sie glaube nicht, dass es möglich sei, diese Methode reihenweise anzuwenden. Auch das therapeutische Klonen, bei dem mit der gleichen Technik Ersatzgewebe oder -organe entstehen, hält die Entwicklungsbiologin aus diesem Grunde für wenig aussichtsreich.

Der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk ist sich hingegen sicher, dass "an einzelnen Exemplaren" künftig gentherapeutische Optionen versucht werden. "Wenn dies schlüssig und sozial verträglich ist, wird sich die Gesellschaft dem auch beugen", sagte Sloterdijk. Er forderte ein breites Gespräch über den Begriff des Lebens.

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn erhofft sich vom Jahr der Lebenswissenschaften mehr Aufklärung, um den "technologischen Allmachtsfantasien und den tief gehenden Befürchtungen von Missbrauch der Forschung" entgegenzutreten.

http://www.BerlinOnline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/2001/0203/politik/0090/index.html?
keywords=Gentechnik&ok=OK%21&match=strict&author=&ressort=&von=3.2.2001&bis=4.2.2001&mark=gentechnik

Ein Service von Berliner Zeitung, TIP BerlinMagazin, Berliner Kurier und Berliner Abendblatt. © G+J BerlinOnline GmbH, 05.02.2001

 

DIE ZEIT Feuilleton 10/2002

Das Leben wird's richten
Doch was ist das Leben? Anmerkungen zum biopolitischen Kampfbegriff der "Lebenswissenschaften"

von Thomas Assheuer

Wer heute eine Universitätsbuchhandlung betritt, der erlebt sein blaues Wunder. Wo früher soziologische Studien stapelweise über die Natur der Gesellschaft Auskunft gaben, lagern die neuesten Erkenntnisse aus den "Lebenswissenschaften", Studien aus Biologie und Neuro-Science, Evolutionspsychologie und Molekulargenetik. Ihre Themen kreisen um Geist und Körper, Materie und Wissen, und nicht wenige schicken sich an, den "alten" Humanwissenschaften das Monopol auf Sinnfragen und Weltbilder streitig zu machen.

In der Bugwelle der "Lebenswissenschaften" schwimmt wiederum eine riesige Armada aus populärwissenschaftlichen Ratgebern und Daseinsbegleitern. Sie behandeln die Old Science, vor allem die Sozialforschung, als schrottreifes Auslaufmodell, das ins Museum gehört, besser heute als morgen. Aus Sicht der Life-Science ist nämlich nicht unsere Gesellschaft, sondern die Biologie die wahre Schicksalsmacht. "Egoistische Gene" (Richard Dawkins) sind es, die unsere Wege leiten und lenken. Sie sind die eigentlichen Herrscher unserer Kultur, in der das Leben in genetisch bedingten Sequenzen verläuft: als Abfolge von Hirnzuständen, biochemischen Zustandswechseln und erotischen Appetenzen. Menschen sehen sich mit den "Augen der Gene", und ihr freier Wille, darin sind sich die Hirnforscher ohnehin einig, ist ein Gaukelspiel, mit der die wohlmeinende Natur das Menschenwesen über seine faktische Unfreiheit tröstet.

Der Königsweg zur Wahrheit

Aber es ist nicht nur der Buchmarkt, auf dem die "Lebenswissenschaften" ihre Triumphe feiern. Die Bildungsministerien entziehen den Sozial- und Geisteswissenschaften finanzielle Mittel und verlagern sie auf das Feld der "Lebenswissenschaften", vor allem auf das der Genforschung (vgl. Otfried Höffes Klage in der FAZ vom 7. 11. 01). In biopolitischer Selbstanpassung hat die Bildungs- und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die "Lebenswissenschaften" auf ihre Fahnen geschrieben. Auch sie liebt die vitalistische Aura und das leuchtende Ungefähr einer Formel, in der die Lebensphilosophie des 19. Jahrhunderts nachhallt, das Lob des Dynamischen gegen das Statische, vielleicht sogar der Abgesang auf eine erstarrte, von moralischen Skrupeln gelähmte Gesellschaft.

Gerade dieser metaphysische Mehrwert macht die "Lebens"-Metapher so anziehend, und das um so mehr, je stärker die Strahlkraft sozialwissenschaftlicher Theoriesterne verblasst. Denn während diese "nur" das Soziale ausleuchten, haben die Lebenswissenschaften scheinbar das "Leben" selbst zum Thema, das Große und das Ganze, das Wesen hinter den Erscheinungen, kurz: den Urgrund, der alles schon trägt, die Technik und die Kultur und natürlich die Lebenswissenschaft selbst. Grau ist dagegen alle Theorie. Selbst Philosophen, die sich auf ihre Distinktion etwas zugute halten, springen noch schnell auf den Zug der Lebenswissenschaften auf. Die "Dynamik" des "Lebens", liest man in einem druckfrischen Lobgesang auf die Gentechnik, bestimme die Bewegung der Politik; der "Puls des Lebens" gebe den Takt vor, der in den sittlichen Normen der Gesellschaft, in Recht und Moral, zum Ausdruck komme.

Als heimliches Oberhaupt der neuen Lebenswissenschaft gilt vielen der große Ameisenforscher und unerschrockene Ökologe Edward O. Wilson. Schon lange träumt er von der "Einheit des Wissens", vom großen Dach der Lebenswissenschaften, unter dem die Ergebnisse der Einzelforschungen, selbst die der Soziologie, versammelt und in eine übergreifende, evolutionstheoretische Perspektive gerückt werden. Endlich soll die uralte Trennlinie zwischen Natur- und Humanwissenschaften fallen, wobei Wilson keinen Zweifel daran lässt, dass die "harten" Naturwissenschaften im Konzert die erste Geige spielen. Sie sind die Sieger im darwinistischen Wettlauf der Theorien, weil sie objektiv kausales Wissen erzeugen, mit dem sich alle menschlichen Verhaltensweisen, sogar Recht und Moral erklären lassen. Unter Wilsons Sonne gibt es nichts, was nicht in die Allzuständigkeit der Lebenswissenschaften fiele. Sie weisen den Königsweg zur Wahrheit, und während Humanwissenschaftler redselig am Sinn des Lebens verzweifeln, warten die Lebenswissenschaften schon an der Kreuzung, wo sich das Dasein des Einzelnen mit dem "Leben" der Evolution sinnvoll verschränkt.

Wilson glaubt allen Ernstes, eine einheitliche Lebenswissenschaft könne die Zivilisation wieder auf biologische, evolutionär "richtige" Grundlagen stellen und das menschliche Mängelwesen vor den Anfechtungen der Freiheit, vor seinen emanzipatorischen Verirrungen schützen. In diesem konservativen Wunschtraum ist die Kultur nicht das Medium einer prinzipiell offenen Weltdeutung, mittels deren die Menschen sich im Licht reflexionsfähiger Normen immerhin darüber verständigen könnten, was sie tun und was sie lassen. Das alles nicht. Wilson versteht Kultur vielmehr als Medium der Anpassung - als symbolische Krücke auf dem dornigen Weg in die instinktanaloge Selbststabilisierung der menschlichen Gesellschaft. Kultur übernimmt Aufgaben, die früher der genetische Informationsspeicher erfüllt hat, und alles zusammen folgt dem natürlichen Muster von Mutation und Auslese.

Wie Wilson, so schätzt auch Hubert Markl, scheidender Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, den dunklen Glanz der "Lebens"-Metapher. Zuerst einmal will Markl das Gottvertrauen in die Forschung zurückerobern, wobei schnell der Eindruck entsteht, die eigentliche Gefahr erwachse der Gesellschaft nicht vom eugenischen Potenzial der Gentechnik, sondern von katholischen Alarmisten, meinungsklonierten Intellektuellen und anderen Blindgängern. Zutiefst ist Markl, ähnlich wie Wilson, nämlich davon überzeugt, die kulturelle Evolution, und damit auch die Gentechnik, sei die Fortsetzung der Naturgeschichte mit anderen Mitteln - gewissermaßen ein gütiger Trick der Natur, um durch die Entwicklung von höherstufigen Strukturen ein Überleben in einer immer komplexeren Umwelt zu ermöglichen. Die Evolution ist eine unsichtbare Hand, die dafür sorgt, dass in den Wissenschaften alles mit rechten Dingen zugeht. "Unverkennbar", schreibt Markl (im Merkur, Heft 592/98), setzte sich der "oftmals erratische Fortschritt der Naturevolution in der durch sie hervorgebrachten Kulturevolution in geradezu fulminant schöpferischer Weise fort - und zwar wiederum nach dem Darwinschen Prinzip von innovativem Wandel und Auslese nach Bewährung und Überlegenheit."

Diesen Satz muss man nicht zweimal lesen. Mit einer aparten Mischung aus Konrad Lorenz und Arnold Gehlen möchte Markl sein Publikum davon überzeugen, eine wohlmeinende "Naturgeschichte" halte immer schon die Instrumente parat, mit deren Hilfe wir uns technisch-kulturell an den Stand der Evolution anpassen müssen. Dasselbe gilt auch für unsere ethischen Standards. So wäre unsere Vorstellung von Menschenwürde nichts anderes als eine kulturelle Zuschreibung, die sich, um den Preis des Überlebens, an den jeweils erreichten Stand der Naturevolution anzupassen hat. Humanistische Befangenheiten darf man getrost ablegen, verkörpern sie doch evolutionär rückständige Einsichten, und Freiheit, so kann man Markl verstehen, ist die Einsicht in die naturgeschichtliche Notwendigkeit: Mit der Gentechnik "hat die Naturevolution unserer Kulturevolution mehr oder weniger subtile Wege gewiesen". Über die "gentechnisch versiert gewordene Kulturevolution" wirke die Naturevolution "ganz gezielt auf sich selbst zurück. In solchem Sinn hat die Naturevolution mit dem Menschen ein Mittel hervorgebracht, um sich selbst fortzuentwickeln."

Wie Wilson, so adelt auch Markl die Lebenswissenschaften zu einem eingeweihten Organ der "Naturevolution". Welche Provokation davon für die klassischen Humanwissenschaften ausgeht, kann man sich mithilfe einer philosophischen Metapher vor Augen führen - mit jenem berühmten Bild, wonach die Menschheit einem schlingernden Schiff gleicht, das in stürmischer See mit Bordmitteln umgebaut werden muss, damit es nicht in den Fluten versinkt. Während der Humanwissenschaftler ständig auf den Kompass starrte, gequält von der Frage, welche Baupläne er entwerfen und welches Material er verwenden solle, wäre der Lebenswissenschaftler die Ruhe selbst. Für ihnen hängt der Ausgang des Unternehmens nämlich nicht von den Entscheidungen der Mannschaft ab, sondern von der Verwendung des Materials, das seine Bauform vermeintlich immer schon vorgibt. Was immer geschieht, für den Lebenswissenschaftler schwimmt das Schiff auf dem Wärmestrom einer "Naturgeschichte", auf deren Karten die rettenden Wege längst eingezeichnet sind.

Es gibt allen Grund, diesen Mystifikationen zu misstrauen. Forschung lebt vom methodischen Zweifel, auch wenn von Skepsis in den erfolgsverwöhnten Lebenswissenschaften immer weniger die Rede ist. Selbstsicher, manchmal auch mit unverhohlenem Triumph, machen sie uns klar, dass die biotechnischen Umwälzungen die "natürlichen" Grenzen des Menschen auflösen; immer weniger sei die "Natur" eine Instanz, die uns Grenzen setzt und unsere Verfügungsgewalt einschränkt. Aber daraus folgt kein blindes Vertrauen in die Logik der Wissenschaft. Denn mit ihren Umwälzungen wächst auch das Nichtwissen ins Unermessliche - und damit die wechselseitige Verantwortung für die Folgen unserer Eingriffe. Dieser Abgrund des Nichtwissens, die Unwägbarkeit und Unsicherheit biopolitischer "Maßnahmen", wird vom dubiosen Singular der Lebensmetapher systematisch vernebelt. Denn wenn der "Puls des Lebens" uns den Takt vorgibt, dann wäre aller Zweifel überflüssig und die Gentechnik, wie jede andere Technik auch, eine Gestalt des "Lebens". Und wer möchte schon am Leben selbst zweifeln?

Dass die Forschungsministerin ausgiebig vom metaphorischen Dunst der "Lebenswissenschaften" Gebrauch macht, passt ins Bild. Sogar ihre kaum verhüllte Aversion gegen die Geisteswissenschaften scheint die natürliche Kehrseite eines biopolitischen Konzepts, das den Unterschied zwischen Bildungs- und Industriepolitik gar nicht mehr kennt. Vielleicht sind Kulturwissenschaftler für die Ministerin ja die Idioten der Familie. Sie reden von Dingen, die den Biowissenschaften ein Dorn im Auge sind. Sie weigern sich standhaft, den Mechanismus der natürlichen Reproduktion mit dem Leben selbst zu verwechseln. Schon deshalb sollte man die Lebenswissenschaften nicht mit der Politik allein lassen. Sonst bleiben sie, was sie für Edeltraud Bulmahn längst sind: Akzeptanzhelfer für eine Biopolitik, die ihren Legitimitätsnachweis noch vor sich hat.

 

 

Sammlung "unwahrer Behauptungen" zu

Gentechnik allgemein     Agrargentechnik    Gentechnik in der Medizin

Mythos ist das Ganze, eine einzelne Mythe ist ein Teil des Mythos - z.B. die Gründungsmythen, die verklärend und in phantastischen Geschehem vom Beginn der gerade geltenden Ordnung erzählen. Während die Inhalte des Ganzen unter der phantastischen Oberfläche oftmals verborgene, noch heute nachvollziehbaren Wahrheiten enthalten (s. z.B. der Daedalus-Mythos), entfernen sich die einzelnen Teile extrem von dem, was heute als Realität angesehen wird (z.B. die einzelnen Episoden des Daedalus-Mythos oder deren Elemente). Deshalb hat der Begriff "Mythen" den Beigeschmack von "unwahren Behauptungen", der ihn in Opposition zu "verifizierten Hypothesen" der "aufklärenden Wissenschaft" stellt.

Beispiele für Mythen der Gentechnik:

"Aggression kann gentechnisch vermindert werden"

"Schizophrenie kann gentechnisch geheilt werden"
"Gentechnik beseitigt den Hunger in der Welt"

Links:

Bündnis90/Die Grünen Nürnberg: Fehlinformationen

Material bei Greenpeace: Gentechnik - 12 Fragen und Antworten.

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Material

#Griechische Mythen über Technikmißbrauch und seine psychischen Wurzeln

Die griechischen Mythen vom Erfinder Daedalus und Hephaistos, dem Gott der Schmiede, die um 1300 v.u.Z. entstanden, zeigen bereits, daß Vernunft in der Versklavung durch Allmachts-/Überlegenheitsgier zu instrumenteller Vernünftelei verkommt und Destruktivität verbreitet statt dem Leben zu dienen. In Gentechnik kehrt dieser Mythos wieder. Die Seite enthält Visualisierungsvorschläge für den Auftakt eines permanenten #Standes zum Thema "Gentechnik - vom Kult der Gewalt zur Kultur des Friedens".

 

Das Strategiepapier von Burson & Marsteller

Empfehlung an den Dachverband der europäischen GenTech-Konzerne, mit welchen Wahrnehmungsmanipulationen die Akzeptanz der Gentechnik in Europa gesteigert werden könne.

 

Peter Sloterdijk: Regeln für den Menschenpark

Nach einem Jahrhundert der Bestialität sieht Sloterdijk in der gentechnischen Perfektionierung von Eliten eine Antwort auf des Versagen des Humanismus. Er hinterfragt die ethische Verteidigung des "Geburtenfatalismus" (unkritische Hinnahme der mehr oder weniger zufälligen genetischen Eigenschaften von Kindern) und erwartet, daß gemacht werde, was gemacht werden könne,  weil Einzelne versuchen würden, sich selbst gentechnisch perfektioniert zu klonen. Damit setzt er aber "Wissenschaftsfatalismus" (unkritische gesellschaftliche Hinnahme der mehr oder weniger zufälligen Ausgeburten von Eierköpfen) an die Stelle des bemängelten "Geburtenfatalismus".

Sekundärliteratur: http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/entzaub.htm

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Akzeptanzbeschaffung als Herrschaftstechnik

An konkreten Beispielen wird dargestellt wie die Empfehlungen von Burson Marsteller von den europäischen GenTech- und Saatgutkonzernen umgesetzt wurden. Herausgearbeitet wird dabei die systematische Manipulation der Wahrnehmung durch Mißbrauch verbreiteter Almmachts-/Überlegenheitsbedürfnisse. Der Artikel enthält auch einen Abschnitt über die Debatte um Sloterdijks "Regeln für den menschenpark". Er ist Grundlage eines Visualisierungsvorschlages für das "Finale" eines permanenten#Standes zum Thema "Gentechnik - vom Kult der Gewalt zur Kultur des Friedens".

 

Das Jahr der Lebenswissenschaft

Lebenswissen - Das Jahr der Lebenswissenschaften   ....     ?

"Der entschlüsselte Mensch: Beginnt ein neues Zeitalter?" Mit einer Podiumsveranstaltung diesen Titels eröffnete Frau Bulmahn das "Jahr der Lebenswissenschaft". Beschreitet sie damit den Weg zu einem neuen Gründungsmythos?

Wichtige Veranstaltungen:

29.3.01 Bonn: Ein Gen zuviel in der Suppe ... brauchen wir gentechnisch veränderte Lebensmittel-

12.-17.9.01 Berlin: Wissenschaftssommer Berlin 2001 - Leben zwischen Mythos und Wissen

20.-22.9. Mainz: Child Anthropology - Kind und Kindheit als biologisches und soziales Konstrukt

 

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Mythen der Gentechnik

Gentechnik allgemein     Agrargentechnik    Gentechnik in der Medizin

Mythos ist das Ganze, eine einzelne Mythe ist ein Teil des Mythos - z.B. die Gründungsmythen, die verklärend und in phantastischen Geschehem vom Beginn der gerade geltenden Ordnung erzählen. Während die Inhalte des Ganzen unter der phantastischen Oberfläche oftmals verborgene, noch heute nachvollziehbaren Wahrheiten enthalten (s. z.B. der Daedalus-Mythos), entfernen sich die einzelnen Teile extrem von dem, was heute als Realität angesehen wird (z.B. die einzelnen Episoden des Daedalus-Mythos oder deren Elemente). Deshalb hat der Begriff "Mythen" den Beigeschmack von "unwahren Behauptungen", der ihn in Opposition zu "verifizierten Hypothesen" der "aufklärenden Wissenschaft" stellt.

Mythen der Gentechnik allgemein

1. Gentechnik erfüllt den göttlichen Auftrag, der Mensch solle sich die Erde untertan machen.

2. Gentechnik vollendet die Gottesebenbildlichkeit des Menschen.

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Mythen der medizinischen Gentechnik

1. Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie sind genetisch determiniert

2. Charaktereigenschaften wie Agressivität sind genetisch determiniert

3. Die meisten und häufigsten Erbkrankheiten sind monogenetisch.

4. Gentechnische Veränderung von Tieren wird

a) den Mangel an Organen für Transplantationen (Xenotransplantationen) beheben;

b) die Produktion von Wirkstoffen in unbegrenzter Menge zu niedrigsten Preisen ermöglichen (GenePharming).

5. Gentechnik in der Medizin wird Wohlergehen und Lebensfreude der Menschen steigern

6. Gentechnik wird die Lebenserwartung der Menschen steigern.

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Mythen der Agrar-Gentechnik

1. Agrar-Gentechnik ist Biotechnik und seit Jahrtausenden bewährt.

2. Agrar-Gentechnik greift wie schon Ackerbau, Domestikation und Züchtung in Natur und Evolution ein.

3. Agrar-Gentechnik

a) hat keine anderen Risiken als herkömmliche Züchtung von Pflanzen und Tieren;

b) ist genauer als herkömmliche Züchtung von Pflanzen und Tieren.

4. Agrar-Gentechnik ist "grüne Gentechnik",

a) weil sie umweltschonende Agrar-Techniken ermöglicht;

b) weil sie den Einsatz von Agrarchemie senkt (Dünger, Pflanzenschutz, Tier-Medikamente).

5. Agrar-Gentechnik ermöglicht weniger gefährliche / bessere Landwirtschaftlische Erzeugnisse als integrierter, ökologischer und biologischer Landbau, weil Nutzpflanzen und Tiere

a) von problematischen Stoffen befreit werden können (Toxine, Allergene)

b) zur Produktion gesundheitsfördernder Stoffe umgebaut werden können (functional food, GenePharming)

c) für hygienischere Produktionsweisen optimiert werden können.

6. Agrar-Gentechnik schafft intelligente, dauerhafte und zukunftsfähige Problemlösungen, wie z.B.

a) Herbizidresistenz

b) Insektenresistenz

c) Krankheitsresistenzen (... ebenfalls Problem der Immunisierung von Erregern)

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7. Agrar-Gentechnik wird

a) das (bestehende) Problem des Hungers lösen

b) die Zukunft der Menschheit von Hunger befreien

8. Agrar-Gentechnik wird die Entwicklung der Agrarkultur in den Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas fördern durch

a) die Lieferung von verbessertem Saatgut (Herbizid-, Insekten-, Krankheits- und Streßresistenzen s. o. 5.)

b) die kostenlose Überlassung von Genkonstrukten für eigene F&E-Projekte

c) die Optimierung lokaler Nutzpflanzen

d) die Nutzung bisher ungenutzter genetischer Ressourcen.

9. Agragentechnik hilft den Landwirten - auch der Industriekulturen, weil sie

a) Arbeits- und Mitteleinsatz senkt;

b) Erträge sichert und steigert;

d) die Wettbewerbsfähigkeit steigert;

c) neue Märkte erschließt (Surrogate, GenePharming, Xenotransplantation);

e) Einkommen verbessert;

f) die Existenz sichert.

10. Über Agrar-Gentechnik werden Landwirte und Verbraucher sachlich informiert (s. Akzeptanzbeschaffung als Herrschaftstechnik).

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Bisherige eigene Wege durch den Mythos Gentechnik:

Landschaftspflege

2 Folien zu den Empfehlungen von Burson Marsteller und den Umsetzungserfolgen in Politik und Recht

 

#Lichtscheue Lichtbringer

2 Folien zu den Anstrengungen der Gentech-Konzerne, sich mit # Namen und Logos in heiligem Schein als Lichtbringer erstrahlen zu lassen und der Frage, ob bei diesem lichtscheuen Treiben nicht eher #Luzifer ans Tageslicht kommt..  

 

#Die elf Gebote des achten Tags der Schöpfung

Plakatserie. Der "Bugginger Bürgerinitiative gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen" wurde 1997 kurzfristig ein Stand auf dem Kirchentag in Leipzig angeboten. Dafür wurde die Plakatserie ebenso kurzfristig produziert. Sie wurde erneut auf dem krichentag 1999 in Stuggart präsentiert und ist für den kirchentag 2001 in Frankfurt angefragt.

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Glossen

Monsanto im Schafspelz heiligen Scheins

Monsanto's striptease .... oder: roundup Monsanto!

Aventis (alias Hoechst, Rhône-Poulenc) - Advent, Advent? Oder das Volk als Risikokapital?

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