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Philosophen: http://buecherei.philo.at/polit.htm#personen

Deutsche Philosophen zur Reproduktions- und Gentechnik:
pro: Peter Sloterdijk, Reinhard Merkel, Norbert Hoerster, Bettina Schöne-Seiffert, Walter Zimmerli,Volker Gerhard

Regeln für den Menschenpark
Weil das Humanistische Erziehungsideal die Bestialisierung des vergangenen Jahrhunderts nicht verhindert habe, müsse die Gentechnik die Chance bekommen, die Menschheit zu debestialisieren (Elmauer Rede). Biografie: http://www.suhrkamp.de/autoren/sloterdijk/sloterdijk_start.htm    Das philosophische Quartett: http://www.petersloterdijk.net/german/index.html

Nur wer die Sehnsucht kennt (gesichert)
Wann immer das Leben beginnen mag, das Lebensrecht beginnt erst mit der Fähigkeit, Wünsche zu haben / Von Norbert Hoerster. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2001 (keine deutlichen Anzeichen für Instrumentalisierung)

Rechte für Embryonen?
Die Menschenwürde lässt sich nicht allein auf die biologische Zugehörigkeit zur Menschheit gründen. Eine Antwort auf Robert Spaemann und ein Vorschlag wider das Geläufige / Von Reinhard Merkel. In: Die Zeit, Nr. 05/2001

Die Abtreibungsfalle
Es gibt in Deutschland keinen grundrechtlichen Schutz für den Embryo. Das zeigt nicht die Verfassung, sondern das Abtreibungsrecht. Die therapeutischen Ziele der Stammzellforschung haben moralisch mehr Gewicht als unsere Schutzpflichten / Von Reinhard Merkel. In: Die Zeit, Nr. 25/2001

Die Stammzellendebatte der Philosophen fixiert sich auf den Vergleich mit der Abtreibung. Befürworter sehen als Widerspruch, daß Abtreibung erlaubt sei, Embryonenverbrauch zum Zwecke der Forschung und Rettung von Leben aber nicht. Bereits dieser Vergleich entdifferenziert auf der Ebene der Motive: Für die Zulassung der Abtreibung spielt die Bewertung Lebensbedingungen des werdenden Menschen bei einer ablehnenden Mutter/Familie oder einer Behinderung eine Rolle. Es wird also erwogen, ob das neue Leben bei der Realisierung seines Rechtes auf Leben überhaupt ein lebenswertes Leben erwarten kann. Diese Entscheidung nach der absehbaren Qualität des Lebens für das werdende Leben beachtet wenigstens auch das neue Leben. Die Entscheidung für verbrauchende Embryonenforschung tut das nicht mehr: sie beachtet nur noch die Interessen bestehenden kranken Lebens.
Sogar bei einer Entscheidung, die der Abtreibung entgegengesetzt ist, der IVF, ist diese Beachtung der Qualität neuen Lebens entschwunden: die Motive der Eltern für die Realisierung des Kinderwunsches um jeden Preis werden hier als Lebensbedingung neuen Lebens nicht einmal für erwünschtes Leben bedacht, geschweige denn bei der Vernichtung überschüssiger Embryonen. Auch hier entdifferenzieren legitimierende Berufungen auf die Zulassung der Abtreibung. Auch die legitimierende Berufung auf die Vernichtung überzähliger IVF-Embryonen folgt damit der Figur, neue Fehler durch alte zu rechtfertigen und aus geschehenem Fehlverhalten nicht die Notwendigkeit der Korrektur, sondern das Recht auf die Fortsetzung des Fehlverhaltens herzuleiten.  Dies ist zwar ein Topos der gesamten Gentechnikdebatte, möglicherweise aller Innovationsdebatten - ist der aber Teil der Wahrnehmungssteuerung oder deren Folge oder bloß menschliches Menscheln?

 

contra: Jürgen Habermas, Ludger Honnefelder, Hille Haker, Otfried Höffe, Vittorio Hösle, Gerold Prauss, Robert Spaemann

Ludger Honnefelder: "Der Mensch droht zu stolpern" (Spiegelinterview)
Der Bonner Philosoph und Bioethiker Ludger Honnefelder über Genexperimente mit Föten, die Irrungen seines Kollegen Sloterdijk und die Renaissance einer naturwissenschaftlich aufgeklärten Moral

Gezeugt, nicht gemacht
Wann ist der Mensch ein Mensch? Das britische Parlament hat den Verbrauch von Embryonen erlaubt, und Kulturminister Julian Nida-Rümelin verteidigt diese Genehmigung. Sie ist aber ein Anschlag auf die Menschenwürde / Von Robert Spaemann. In: Die Zeit, Nr. 04/2001

Missbrauch der Medizin
Die Märchen der Embryoverbraucher / Von Volker Herzog. In Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2001

Geprägte Form, doch zweckbewußt zerstückelt
Wann ist ein Mensch kein Mensch? Wenn die Wissenschaft von ihrem Wissen nichts mehr wissen will und sich in den Mythos zurückverwandelt / Von Gerold Prauss. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2001

Was gibt's denn da zu gucken?
Menschenwürde nach Hubert Markl: Freiheit an der Grenze zur Freibeuterei / Von Thomas Sören Hoffmann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2001. http://www.philosophie.uni-bonn.de/hoffmann/index.html

Ausländische Philosophen

Pro: Ronald Dworkin

Contra:

Philip Kitcher: The Lives to Come. The Genetic Revolution and Human Possibilities
(Touchstone Paperback)
Genervt durch das oberflächliche Gentechnik-Gerede in den Medien, fasste ich vor längerer Zeit den Entschluss, mich etwas ausführlicher mit der Molekularbiologie zu beschäftigen.
Kitcher ist nun kein Biologe, sondern ein in New York lehrender Wissenschaftsphilosoph, der bereits einige kluge wissenschaftstheoretische Bücher schrieb, so "The Advancement of Science" (1993). In seiner jüngsten Publikation setzt er sich philosophisch mit den Folgen der Gentechnik auseinander.
Nach einem Abschnitt über die wichtigsten "handwerklichen" Methoden der Molekularbiologen, behandelt Kitcher kapitelweise die wichtigen Problemkomplexe (Gentests, Gentherapien, forensische Anwendungen, Eugenik ...). Dabei betont er regelmäßig die sozialen Auswirkungen der neuen Methoden (Stichwort: Gesundheitssystem der Industriestaaten) und weist auf die Komplexität der Umweltbedingungen bei der Persönlichkeitsentwicklung hin. Die Suche nach Genen, die das menschliche Verhalten determinieren, trage dieser Komplexität nur selten Rechnung. Deshalb sei auch keine Revolution des menschliche Selbstbildes zu erwarten (wie durch Kopernikus oder Darwin).
Alles in allem ein erfreulich intelligentes Buch zu einem der wichtigsten wissenschaftliche Themen der nächsten Jahre. Inzwischen ist bei Luchterhand auch eine deutsche Übersetzung erschienen: "Genetik und Ethik. Die Revolution der Humangenetik und ihre Folgen".

Medien zum Thema

http://www.gentechnik-und-ethik.de/portal/content/index.php
'Grüne Gentechnik und Ethik'- ein Angebot des Instituts Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN), München.
Sie finden hier derzeit das Angebot zum Thema
'Grüne Gentechnik und Ethik'. Es gliedert sich in einen Informationsteil aus vier Modulen zu den biologischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekten der gentechnischen Pflanzenzüchtung sowie ein allein oder gegen Mitspieler spielbares Quiz. Wenn Sie nach Gegnern suchen wollen, so können Sie dies im Verabredungs-Forum.

http://www.headfilm.ch/films/03167.html
Film: Gentechnik- wer setzt Massstäbe?
Biologen, Molekularbiologen, Humangenetiker, Juristen, Mediziner, Philosophen, Psychologen und Theologen äussern sich in einer auch dem Laien verständlichen Sprache zu den aktuellen Fragen der Gentechnik. Der Film begibt sich ins Spannungsfeld Fortschritt - Ethik, spricht den Zuschauer unmittelbar an und ermuntert den einzelnen, seine Mitbestimmungsmöglichkeiten zu erkennen und wahrzunehmen.