Wo gebaut wird und sich zur Zeit häufig etwas ändert ....
Die meisten Seiten sind noch im Aufbau!
|Baustellen|

Was ganz neu hinzugekommen ist ....
|Das Neueste|

LifeSience.jpg (6399 Byte)

AUFKLÄRUNG ..

des "life science"-Mythos

       


Lebenswissen ist mehr als das vollständige Verständnis aller Genome! Das alltägliche Leben selbst und die  Psycho-, Sozial- und Kulturwissenschaften brachten schon immer Lebenswissen hervor. Wer Genforschung "life science" oder Gentechnik "Biotechnologie" nennt, will einen kleinen Teil zum ganzen Lebenswissen verab- solutieren. Das ist eine selbstüberschätzende Größen- oder Allmachtsphantasie. Zur Aufklärung technologisch- er Allmachtsphantasien durch einen Dialog der Moleku- larbiologie und Gentechnik mit den Lebenswissenschaf- ten hat sich Frau Bulmahn beim Auftakt zum "Jahr der Lebenswissenschaft" zumindest mündlich bekannt.
Gilt das gesprochene Wort?


Allmachtsphantasien kritisiert schon die Genesis. Denn zu den teuflischen Einflüsterungen der Schlange am Baum der Erkenntnis gehört die Verheißung, zu werden wie Gott. Hybris und Gewalt der Menschen veranlassen Gott zur Sintflut und zur Zerstörung des babylonischen Turms. Anstelle der Aufklärung von Zusam- menhängen zwischen Katastrophen und hybridem menschlichem Handeln steht hier noch die Strafe Gottes.


Aufklärung ist die Selbstbefreiung der Mensch- en "aus selbstverschuldeter Unmündigkeit" (Kant), aus dogmatischen Glaubenssätzen, die die Welt und soziale Ordnungen im Sinne einer herrschen- den Kultur und der von ihr Privilegierten als unab- änderlich festzulegen versuchen (Mythos). Er- kenntnisgewinn im Sinne der Aufklärung befindet sich stets in der Gefahr, zu dogmatischen Glau- benssätzen zu erstarren und in Mythos um- zuschlagen, der einer neuen Aufklärung bedarf (Adorno, Dialektik der Aufklärung). Diese Auf- klärung hat zu ent-decken, was neuer Erkennt- nisgewinn, der zu dogmatischen Glaubenssätzen zu erstarren beginnt, an Lebenswissen zu tabui- sieren versucht - und warum. Dies wäre die Auf- gabe des "Jahres der Lebenswissenschaft".

Wo also wurzeln Allmachtsphantasien? In Ohnmachtsägsten.

Und Ohnmachtsängste? In Abhängigkeit von Übermächtigem.

Und Abhängigkeit? Im Lebensbeginn.

Daß Säuglinge und Kleinkinder von der Zuwendung und Einfühlung ihrer Eltern abhängig sind und Ohnmacht erleben, wenn sie mit Unbehagen nicht selbst fertig werden und Abhilfe ausbleibt, ist augenfällig - nicht, was sie erleben, wenn sie sich deswegen "die Seele aus dem Leib schreien": als würden uns die Sterne vom Himmel fallen, die Berge einstürzen und wir mit der ganzen Welt  von einem Schwarzen Loch verschlungen, so gehen sie mit ihrem entgleisenden symbiotischen Kosmos unter. Je länger ein- fühlende Abhilfe ausbleibt, desto intensiver überbrücken sie dieses Erleben mit Phantasien, in denen sie der Übermacht ihrer entgleisenden Welt selbst Herr werden - und allmächtig. Je häufiger einfühlende Zuwendung fehlt., desto tiefer prägt das dem Gefühlsleben neben Angst vor Wiederholung der Ohnmacht und Flucht in Allmachtsphantasien weitere Muster ein, die aber in einen psychischen Teufelskreis führen:  Gier nach entgangener Zu- wendung, Einfühlung, und Nähe und Unfähigkeit, sich auf sie einzulassen und sie selbst zu erbringen. Das macht notwendig, sich auf andere Weise selbst zu helfen: mit Kalkül, Berechnung und List Überlegenheit und Macht über alles zu erringen, das Unbehagen und Ohnmacht beheben und die Gier befriedigen könnte, was aber zugleich die Möglichkeit von Nähe und Zuwendung zerstört und die Gier danach steigert.

Dieser psychische Teufelskreis verursacht einen Generativen: Schon die Unfähigkeit zu Zuwendung, Einfühlung und Nähe prägt der nächsten Generation den psychischen Teufelskreis ein. Die Gier der Eltern nach Nähe und ihre Wünsche nach Überlegenheit und Herrschaft werden am abhängigen Kind befriedigt: Zuwendung, Einfühlung, Nähe wird ihm nicht entgegengebracht, sondern egozentrisch abverlangt. Schon das stellt ihm die Symbiose auf den Kopf: in deren Kosmos bricht die "kinderverschling- ende Hexe" übermächtiger fremder Bedürfnisse ein, der in Allmachtsphan- tasien Herr zu werden ist.

Der generative Teufelskreis führt in einen Soziokulturellen: Die doppelte Unmöglichkeit, die Gier nach Nähe in Unfähigkeit zu Nähe durch Anwen- dung von Berechnung, Kalkül, List, Herrschaft und Macht zu befriedigen, die  jede Möglichkeit von Nähe zerstören, verschiebt die Befreidigung auf alles, das Ohnmacht vermeidet und Überlegenheits- Herrschafts- und All- machtseinbildungen erlaubt.: Ruhm & Reichtum, Funs & Thrills gehören zu den "Top Ten" bei der Kompensation von Mangel an Zuwendung, Ein- fühlung, Nähe. Immer mehr Zeit und Mittel werden den Resten aktiver Zuwendung, Einfühlung, Nähe entzogen. Dadurch überschlagen sich die  Symbiose-Kopfstände: Immer intensiver bestimmen Gier und Allmachts- phantasien die Jagd mit Kalkül, Berechnung, List und Macht nach Ruhm & Reichtum, nach Mitteln für Fun & Thrills; immer megalomanischer wird der

Raubbau an den psychischen und materiellen Lebensgrundlagen; immer einfühlungsloser wird immer weniger realisiert, daß dies immer mehr innere Welten und die äußere Welt entgleisen läßt.

Diese Teufelskreise prägen offenkundig die gegenwärtige Kultur: sie vereinseitigen die Lebensorientierung auf stets wachsenden "Wohlstand" und reduzieren Denken auf Kalkül, Berechnung und List. Dieses Denken entwickelt riskante Mega-Technologien wie Petro- und Chlorchemie, Atomkraft und Gentechnik, die es im Glauben an die eigene Allmacht für beherrschbar hält. Diesem reduzierten Denken und der Unfähigkeit zu Einfühlung und Nähe entstammen auch Objektivismus (wirklich und wahr ist nur, was sich messen läßt), neoliberaler Ökonomismus (Freiheit vor allem für Profitmaximierung, der Markt regelt alles)  und Utilitarismus (größtmögliches Glück der größtmöglichen Zahl derer, die ihre Bedürfnisse artikulieren können) und ihre Verfestigung zur Ideologie.  

Dieses Denken tabuisiert die Teufelskreise, die es hervorbringen. Baisis dieses Tabus ist die kollektive Amnesie der ersten Lebensjahre, die sich mindestens teilweise dem inneren Teufeslkreis verdankt. Diese tabuisierten Teufelskreise hindern uns voranzubringen, was längst geschehen müßte. Sie machen uns zur Zukunft unfähig. Da die Folgen unseres zunehmend destruktiven Fehlverhaltens  immer unübersehbarer werden (neben den Bestialitäten des letzten Jahrhunderts, der  Umweltzerstörung nun die Eskalation der Agressivität zu Gewalt und Amokläufen immer jüngerer Kids und vieles mehr) und es deshalb immer schwerer wird, vor ihnen den Kopf in den Sand zu stecken, entwickelt sich ein Bedarf nach Erklärungen für das erstarrte Fehlverhalten,  Erklärungen, die von Verantwortung, Schuld und der Anstrengung der Selbstveränderung entlasten:

Diesen Entlastungsbedarf-Bedarf und die Allmachtsphantasien bedient eine neue Mega-Technologie, die Gentechnik, die sich mit dem Namen "life science" Allwissen anmaßt: mit dem Vulgär-Biologismus, Verhaltensweisen wie Aggressivität und psychische Störungen wie Schizophrenie seien genetisch determiniert, entlastet sie das Kollektiv von Verantwortung und Schuld für akutes Fehlverhalten und dessen Reproduktion. Neben Reparatur und Vermeidung der Folgen verheißt sie sogar, das Fehlverhalten selbst beseitigen zu können: durch die gentechnische Selbstperfektionierung der neuen Herren der Schröpfung, damit an ihrem Wesen der Rest der Welt genese .... Statt Aufklärung also ein neuer Mythos des 21. Jahrhunderts - voller Hybris und Allmachtsphantasien.