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letzte Aktualisierung 22.01.03

Auskruezung - Presse


Leitartikel aus der FTD vom 9.10.2000 :
Verrückte Gene

Einer neuen Wissenschaft ist es gelungen, einen alten Lehrsatz zu beweisen: In der grünen Gentechnik, der biotechnologischen Manipulation von Pflanzen, geht schief, was schief gehen kann.

Und Heilsversprechen erfüllen sich auch hier nur äußerst selten. Das wirklich Erstaunliche ist, dass sich die Wissenschaftler immer noch erstaunt geben, wenn die Gene sie mal wieder überlistet haben. Gewiss ist nur eins: Die nächste Überraschung steht schon bald bevor.

Der neueste Fall kommt aus Deutschland. Nicht auf irgendeinem Feld, nicht durch die unglückliche Verkettung von Umständen ist Konfusion entstanden. Diesmal spielten die Gene in der besonders gehüteten und gerühmten Betriebsstätte der KWS Saat AG in Niedersachsen verrückt. Pollen gentechnisch veränderter Rüben sprangen auf andere Pflanzen über und übertrugen eine künstlich erzeugte Herbizid-Resistenz. Das erzeugte Saatgut hat in seiner neuen Form keine Genehmigung.

Aussaat in zehn europäischen Ländern

Die Möglichkeit dieser Auskreuzung hätte jedem Biologen bekannt sein können. Und doch wurden die Rüben in insgesamt zehn europäischen Ländern zur Aussaat gebracht. Erst am Ende der Versuche, als die Pflanzen mit Herbiziden vernichtet werden sollten, fiel den Forschen auf, dass die Rüben gegen zwei statt wie geplant gegen ein Herbizid resistent geworden waren.

Ein Alarmsignal ist das nicht. Da es sich um Freisetzungsversuche vor der endgültigen Genehmigung handelte, waren die Rüben nie für den menschlichen Verzehr oder für die Verfütterung an Tiere vorgesehen. Auch wer den Zucker aus einer doppelresistenten KWS-Rübe essen würde, würde kein Gesundheitsrisiko eingehen.

Das Ereignis lenkt vielmehr den Blick auf die wahren Probleme der Gentechnik in der Landwirtschaft. Gravierende Auswirkungen wird sie vor allem für die Ökosysteme haben.

Marketing-Instrumente für Pestizid-Absatz

Jetzt rächt sich, dass die Industrie bei den ersten Genfood-Produkten auf Hauruck-Techniken gesetzt hat. Die Pflanzen wurden nicht besser ihrer Umwelt angepasst oder mit vorteilhafteren Inhaltsstoffen ausgestattet. Sie wurden als Marketing-Instrumente für den Pestizid-Absatz konstruiert.

Fast zwei Drittel der heute angebotenen Gentechnik-Pflanzen enthalten Resistenzen gegen bestimmte Herbizide. Der Bauer muss Saatgut und Gift im Kombipack kaufen. Geht alles nach Plan, verdrängt er mit der Spritze alle Kräuter mit einem Streich - außer die resistente Nutzpflanze.

Weniger Pestizid-Einsatz und höhere Erträge hat die Saatgut-Industrie mit dieser Methode versprochen. Für beides ist sie bisher überzeugende Beweise schuldig geblieben. Und die Ankündigung, mit der Gentechnik den Welthunger auszurotten, harrt auch noch der Erfüllung.

Gesetze der Natur

Stattdessen hat sich zur Überraschung der Forscher herausgestellt, dass auch genetisch veränderte Pollen den Gesetzen der Natur gehorchen. Ein kanadischer Landwirt pflanzte 1997 auf drei benachbarten Feldern drei verschiedene Sorten Gentechnik-Raps, die jeweils gegen ein Herbizid immun waren. Zwei Jahre später fand er prompt Raps-Pflanzen, die gegen alle drei Gifte gleichzeitig resistent waren. Was in den KWS-Gewächshäusern passiert ist, geschieht also auch auf den Feldern.

Jetzt muss sorgfältig geprüft werden, ob die Gentechnik zur Verbreitung von Resistenzen in Nutz- und Wildpflanzen beiträgt. Es ist die Besonderheit dieser Technik, dass ihre Produkte aus der Natur nicht wieder zurückgeholt werden können. Deshalb erfordert ihr Einsatz ein außergewöhnlich hohes Maß an Besonnenheit.


ftd.de, So, 8.10.2000, 17:00

Gentechnik-Panne:
Rübe gegen wichtiges Pflanzenschutzmittel resistent

Die niedersächsische Firma KWS Saat hat unbeabsichtigt und unbemerkt eine Gentechnik-Rübe produziert, die gegen ein wichtiges Pflanzenschutzmittel resistent ist. Das bestätigten die Firmen KWS und Aventis Crop Science der Financial Times Deutschland.

Die Panne fiel erst auf, nachdem das Saatgut auf 39 Versuchsflächen in Deutschland und in neun weiteren europäischen Ländern angepflanzt worden ist. Die Rüben wurden vernichtet.

Der Vorfall trug sich in besonders kontrollierten Gewächshäusern der Industrie zu. Die KWS Saat sollte im Auftrag von Aventis Rüben-Saatgut vervielfältigen, das mit gentechnischen Methoden gegen das Total-Herbizid "Liberty" resistent gemacht worden war. Durch Pollenflug wurden die Rüben - unbemerkt von den Forschern - auch gegen das wichtige Herbizid "Roundup" resistent.

Nur für Versuchszwecke

Da die Pflanzen nur für Versuchszwecke vorgesehen waren, gab es in diesem Fall keine Folgen für Landwirte oder Verbraucher. "Alle entsprechenden Saatgut-Partien wurden inzwischen gesperrt und können nicht mehr zur Aussaat gelangen", sagt KWS-Sprecher Georg Folttmann.

Der Zwischenfall ist ein Lehrstück für die Branche: Die schnelle Verbreitung von Herbizid-Resistenzen könnte zu einem wichtigen Problem werden. Theoretisch ist denkbar, dass die Resistenzen auf verwandte Wildpflanzen, beispielsweise die Wildrübe, überspringen. Für die Bekämpfung dieser Super-Unkräuter wären dann wieder zusätzliche Herbizide notwendig. Der Vorteil, dass die Gentech-Pflanzen mit nur einem Pflanzenschutzmittel auskommen, wäre dahin.

Einzelne Resistenzen werden von der Saatgut-Industrie gezielt mit gentechnischen Methoden in das Erbgut von Getreiden, Gemüsen oder Ackerfrüchten eingeschmuggelt: Ist die Nutzpflanze resistent, kann das entsprechende Pflanzenschutzmittel unbedenklich gespritzt werden und alle störenden Unkräuter vom Acker schaffen. Nur die Nutzpflanze soll dem Chemie-Bombardement widerstehen.

 

 

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Kontrolle von Genpflanzen nicht möglich

Herbizid-Resistenz durch Pollenflug übertragen

Thomas Rogalla

BERLIN, 9. Oktober. Unkontrollierte Übertragungen von gentechnisch veränderten Eigenschaften zwischen bestimmten Nutzpflanzen sind nicht vollständig zu verhindern. Darauf haben das für die Genehmigung von Freiland-Genversuchen zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin sowie die Saatgutfirma KWS in Einbeck hingewiesen. Anlass ist eine technische Panne bei der KWS, die bei der Vermehrung von Zuckerrüben-Saatgut der Firma Aventis Crop Science Deutschland auftrat. Es ist "planmäßig" gegen das Herbizid "Liberty" resistent, jedoch kam es irrtümlich und trotz Sicherheitsmaßnahmen auch zu einer Resistenz gegen das Herbizid "Roundup" der Firma Monsanto.

Dies wurde jedoch erst festgestellt, als die Gen-Rüben auf Freiland-Versuchsflächen in Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern nach dem Versuch vernichtet werden sollten, dabei teilweise auf "Roundup" aber nicht reagierten. Nach Darstellung von KWS, das die Genpflanzen in speziellen Gewächshäusern züchtet, kam es dort durch Pollenflug zu der Gen-Übertragung. KWS-Sprecher Georg Folttmann sagte der "Berliner Zeitung", die Qualitätskontrollen bei der Aufzucht der Gen-Pflanzen werden nun weiter verbessert. "Wir befinden uns hier im Forschungsstadium, in dem eben auch negative Folgen offen gelegt werden." Die natürliche Art der Übertragung von Genen lasse sich nicht vollständig verhindern. "Wir brauchen deshalb in Bezug auf die Saatgutreinheit bei gentechnisch veränderten Pflanzen dringend praktikable Grenzwerte", sagte Folttmann.

Ähnliche Fälle in Kanada

Ähnlich äußerte sich das Koch-Institut: "Eine hundertprozentige Reinheit des gentechnisch veränderten Saatguts lässt sich möglicherweise nicht gewährleisten", so Ulrich Ehlers vom RKI. Auch die Kontrolle auf mögliche unbeabsichtigte Resistenzen von Versuchspflanzen durch die dafür zuständigen Landesbehörden sei schwierig: "Man weiß ja dabei nicht, wonach man sucht." Die Berliner Behörde denke derzeit über "praktikable" Grenzwerte bei Freisetzungen solcher Pflanzen nach. Laut Folttmann ist das verwendete Saatgut inzwischen zur Aussaat gesperrt worden.

Greenpeace fühlt sich durch die Panne in ihren Vorbehalten gegen die Gentechnik bestätigt. "Das Beispiel zeigt, dass nicht einmal in gesicherten Gewächshäusern eine Kontrolle der Gen-Pflanzen möglich ist", sagte Gen-Expertin Stephanie Töwe der "Berliner Zeitung". Wie bei anderen Pflanzen auch sei durch die Gen-Rüben eine nicht mehr rückholbare Übertragung gentechnisch veränderter Eigenschaften auf Wildrüben möglich. Ähnliche Fälle habe es in Kanada gegeben, wo Rapspflanzen unkontrolliert Resistenzen entwickelten.

Informationen im Internet unter www. bba. de/gentech/gentg. pdf

Artikel vom 10. Oktober 2000


Kontrollierter Anbau

Zucht und Versuchsanbau gentechnisch veränderter Pflanzen sind im Gentechnik-Gesetz geregelt. Genehmigungsbehörde für die Freisetzung von Genpflanzen ist das Robert-Koch-Institut in Berlin. Die Überwachung der Anbauflächen liegt bei den Ländern.

Für die Vermischung von Gen-Saatgut gibt es keinen Grenzwert. Bei konventionellem Saatgut sieht das Gesetz Toleranzen von bis zu fünf Prozent vor. Bei Gen-Samen orientieren sich die Firmen freiwillig an der EU-Grenze zur Kennzeichnung von einem Prozent.

Informationen im Internet unter www.bba.de/gentech/gentg.pdf

Artikel vom 10. Oktober 2000

 

United Press International, Wednesday, October 18, 2000

Genetic barrier to engineering corn discovered

By M. Massler

A Wisconsin plant geneticist says he's discovered the answer to American's ongoing "taco problem" — finding unwanted bioengineered corn in the food supply.

Working with a wild relative of corn called teosinte, Jerry Kermicle, a retired professor of genetics at the University of Wisconsin, Madison, found a set of genes that resist the uptake of foreign genetic material. Included would be genes from genetically modified corn, recently claimed as cropping up in tacos.

Kermicle told United Press International those wild genes could serve as a "molecular barrier" to genetically transfer from one farmer's engineered crop to his neighbor's non-engineered crop, for example.

An important point, naturally, would be transferring the wild genes into hybrid corn grown in the United States, using traditional breeding methods rather than genetic engineering, he said.

Kermicle has licensed the new technology to the Wisconsin Alumni Research Foundation, or WARF, the university's non-profit technology transfer arm, which told UPI that seed companies are showing great interest in adopting it.

"We do not oppose GMOs (genetically modified organisms)," WARF official and agronomist Steven Gerrish said. "But we recognize that the public is not ready for them yet. This is a way to provide some insurance that corn the public eats now will not be genetically modified until it understands that the technology can be used for good purposes, such as adding nutritional value to grains used in developing nations."

Teosinte has grown wild near edible corn in Mexico for thousands of years, but does not grow naturally in the United States. Both are grasses with similar genetic makeup, which gave Kermicle the idea of investigating whether the barrier trait of teosinte could be transferred to modern hybrid corn.

Corn of all varieties is what Kermicle calls "natural traffickers in genes" — meaning cross-fertilization between strains occurs as pollen is carried by bees or blown by the wind between corn fields.

The natural transfer means modern hybrid or even organic corn can accidentally cross with genetically engineered corn, rendering the traditional corn unuseable for export to countries where it is banned, or where consumers won't buy it.

"This technology can potentially solve the problem of contamination of regular hybrid corn and organic hybrid corn by any genetically modified organism during the growing season," said Gerrish. "Corn grown with the teosinte genes could also allow a farmer to grow both types of corn crops and maintain a market-segregated product."

Currently, nearly 23 percent of US-grown corn is exported to other nations, with 8 percent used for sweeteners, 2.6 percent for starch, 5 percent to produce alcohol, and 1.2 percent for food products for human consumption. A little over 50 percent is used for animal feed.

All the corn used for export, human and animal consumption could be grown using the barrier genes, given the growing interest in the United States and abroad for corn certified as non-GMOs, said Gerrish. He added that interest in corn grown GMO-free is even greater abroad, in Japan, Europe, Australia and New Zealand in particular.

Gerrish expects that corn seed incorporating the barrier genes will be commercially available by 2002 or 2003 at the latest. While WARF is conducting negotiations with numerous large seed companies, Gerrish said, he would name none of them "at this point."

In addition, the licensing agreements companies make with WARF will include a provision that GMO technology is kept out of corn varieties with the teosinte barrier.

"Patenting and licensing the technology provides some protection for it to be used properly," said Gerrish.

Environmental Defense Fund scientist Rebecca Goldburg commented that she hoped the technology, if proven to work, will not be used by seed companies to sell more seeds to developing nations. Discouraging seed saving has been an issue in the past among large companies and some nations, said New York-based Goldburg.

"With most people in the U.S. concerned about tacos and engineered grain getting into them, we hope that the new technology will be used to allay the public's fears that the corn it eats will not be genetically engineered until it has more confidence in genetic engineering," said Gerrish.

 

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