| Kein Inovationsmißbrauch - auch nicht der Gentechnik! | > ausführlicher & Forderungen |
Jede Technik läßt sich zerstörerisch mißbrauchen (dual use). Selbst der Hammer. Bei keiner Innovation wurde das bisher versäumt (ABC-Waffen). Das eskalierte im vergangenen Jahrhundert zu bestialischer Menschenvernichtung. Ebenso eskalierten bedrohlich erwartete und unerwartete Folgen nichtkriegerischer Anwendungen von Innovationen (Seveso, Bophal, Tschernobyl, Altlasten, Treibhauseffekt, Ozonloch, Atommüllproblem). Ursache der Folgeneskalation war der Mißbrauch unausgereifter Innovationen im Krieg der Konzerne um Märkte. Diese Lektion wäre an der Schwelle eines neuen Jahrtausend zu lernen gewesen. Statt dessen löst seit 1990 ein eiskalter Krieg inzwischen transnationaler Konzerne um Beherrschung globaler Märkte den kalten Krieg um Herrschaft über Territorien ab. In ihm versuchen die "life-science"-Konzerne durch Mißbrauch der noch völlig unausgereiften Gentechnik und Patentierung nicht nur globale Herrschaft über die Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung der Weltbevölkerung (Monsanto feeds the world), sondern Eigentum am Leben selbst zu erringen. Daß dies die bestialische Entgleisung des selbsternannten deutschen "Herrenmenschen" global wiederholen könnte, zeigen die Sloterdijkschen Visionen einer sich selbst getechnisch perfektionierenden Elite, an deren Wesen wieder einmal der Rest der Welt genese ....!
Der BUND lehnt deshalb jeden Innovationsmißbrauch ab! Auch der Gentechnik - besonders zur Steigerung wirtschaftlicher, politischer und militärischer Macht.
| Keine Gentechnik in der Landwirtschaft! | > ausführlicher & Forderungen |
Hohe Unkenntnis der Genome und ihrer Funktionszusammenhänge bei Pflanzen und Tieren verhindert trotz 20jähriger Forschung weiterhin, daß ehrgeizige Verheißungen und Sicherheitsbehauptungen erfüllt werden können: statt dessen erfüllen sich die Warnungen der Kritiker vor zu hohen Risiken, kaum nützlichen Produkten und versagenden rechtlichen Regelungen. Entsprechend steigt die Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft durch die Bevölkerung weltweit. Dennoch wird weltweit - teilweise rechtsbrüchig, teilweise unter Mißbrauch von Regulierungsmangel - versucht, Gentechnik in der Landwirtschaft heimlich durchzusetzen: mit heimlichen Freisetzungen, genverschmutztem Saatgut und heimlichem Versuchsanbau, die alle benachbarten Anbau genverschmutzen. Dadurch werden nicht nur Auskreuzungsketten gestartet, die nicht mehr gestoppt werden können, sondern ahnungslose benachbarte Landwirte wirtschaftlich geschädigt. Wesentliche Beiträge zur Beseitigung von Hunger in den verarmten Teilen der Welt sind nicht zu erwarten, weil der in Zeiten der Überschußproduktion nicht überwiegend durch produktionstechnische - sondern durch Struktur- und Verteilungsdefizite erzeugt wird. Gentechnik würde durch weitere Verbreitung von großflächigen Monokulturen diese Defizite noch verschärfen. Genmanipulationen von Tieren ist zur Ertragssteigerung wegen bestehender Überschußproduktion nicht sinnvoll. Die Produktion von Transplantationsorganen und medizinischen Wirkstoffen wird der Landwirtschaft keine neuen Einnahmequellen bringen, weil extrem sterile Haltung erforderlich ist und kleinste Herden den Weltbedarf an Wirkstoffen produzieren können.
Der BUND lehnt deshalb gegenwärtig Gentechnik in der Landwirtschaft ab!
| Keine Gentechnik in der Lebensmittelproduktion! | > ausführlicher & Forderungen |
Weltweit steigt die Ablehnung der Verbraucher auf hohem Niveau, weil ihre Ablehnung und deren Gründe mißachtet werden: hohe Unkenntnis bei der Genmanipulation von Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren enthält das Risiko unbemerkter Veränderungen in Form neuer allergener, pathogener und toxischer Inhaltsstoffe. Die deshalb erforderlichen Prüfungen und Überwachungen, die denen von neuen Medikamenten entsprechen müßten, sind entweder nicht ausreichend möglich (Allergene) und/oder teuer. Hohe Pfrüfungs- und Überwachungskosten widersprechenden aber den Zielen der bisher dominierenden Gentechnikanwendungen: Kostensenkung in Lebensmittelproduktion und -handel für den Preiskrieg um Marktanteile. Die steigende Zahl der Lebens- und Futtermittelskandale zeigt die Tendenz, die erforderlichen Überwachungen zu unterlassen und sogar kriminell Wetbewerbvorteile anzustreben. Gentechnikanwendungen verführen dazu, weil man sie z.B. Pflanzen, Hilfs- und Zusatzstoffen nicht ansehen kann (taco bell). Die Weigerung der Konzerne, lückenlos jede Anwendung zu kennzeichnen (Prozeßkennzeichnung) raubt Verbrauchern die Freiheit, mit dem Kauf diesen und ökologischen Risiken auszuweichen. Sich selbst wollen die Konzerne Kennzeichnungs- und Kontrollkosten ersparen und versuchen, sie denen aufzudrängen, die unverändert in bewährt risikoloser Weise produzieren wollen (Kennzeichnung "ohne Gentechnik"). Diesem Glaubwürdigkeitsdefizit versuchen sie nun durch neue Versprechungen zu entkommen: Genmanipulationen, die Pflanzen und Lebensmittel mit neuen gesundheitsfördernden Wirkstoffen versehen (functional food).
Der BUND lehnt deshalb gegenwärtig Gentechnik in der Lebensmittelproduktion ab!
| Keine Gentechnik in der Medizin zu Lasten ungefragter Dritter! | > ausführlicher & Forderungen |
Viele Anwendungen in der Medizin riskieren, mit der Heilung alter Krankheiten Neue zu erzeugen, unter denen dann andere leiden: weder bei der Herstellung von Wirkstoffen durch Genmanipulation an Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren und menschlichen Zellen, noch bei der Erzeugung von Transplantationsorganen kann die unbeabsichtigte Erzeugung und Freisetzung neuer Krankheitserreger ausgeschlossen werden. Selbst bloß diagnostische Anwendungen belasten mittelfristig Dritte erheblich: sie ermöglichen Präimplantations- und Pränatalselektion, die Verengung von "Normalität" und Diskreminierung "Abweichender" zur Folge haben werden, sei es durch Mitmenschen aufgrund "vermeidbarer" Normabweichungen, oder durch Arbeitgeber und Versicherungen aufgrund "ungünstiger" Ergebnisse von Genomanalysen. Noch verbotene Eingriffe in die Keimbahn, die Menschenkonstruktion ermöglichen könnten, würden dies verschärfen und die politische Gefahr herbeiführen, daß Eliten sich gentechnisch selbst perfektionieren, damit an ihrem wesen wieder einmal die Welt genese! Sobald Dritte Anwendungsfolgen zu tragen haben, bedarf es eines voraufgehenden ergebnisoffenen gesellschaftlichen Diskurses. Anderenfalls sind diese Anwendungen illegitim.
Der Bund lehnt Anwendungen ab, die Mißbrauch und das Risiko gesundheitliche Schäden Dritter (auch Embryonen), Diskreminierungen, Selektion und Konstruktion menschlichen Lebens nicht völlig ausschließen.
| Kein Patent auf Leben! | > ausführlicher & Forderungen |
Die Gentechnik-Konzerne streben nicht nur die Patentierung ihrer synthetischen Genkonstrukte an, sondern auch die Patentierung "entdeckter" bzw. isolierter Gene, ganzer Zellen, Tierarten, Pflanzensorten und Teile des Menschen. Sie wollen sich damit das Leben selbst als Profitquelle sichern, als hätten sie es erfunden und gebaut wie eine Maschine. Durch solche Patente wird das Leben an sich als Eigentum Weniger kolonisiert und ausgebeutet.
Solche Patente sichern die wirstschaftliche Macht des globalen Gentechnik-Oligopols als Patentinhaber und die Abhängigkeit noch nicht konzerneigener Forschung und Züchtung.
Der BUND lehnt die Patentierung von Pflanzen, Tieren, Menschen auch in Teilen ab.
| Keine GmO-Freisetzungen zur Umweltsanierung! | > ausführlicher & Forderungen |
Ca. 100.000 Altlasten in der BRD sind ein Markt für Gentechnikanwendungen. Es wird angestrebt, sie z.B. durch die Freisetzung von Mikroorganismen zu beseitigen, die so genamnipuliert werden, daß sie Schadstoffe abbauen. Dies ist jedoch wegen der großen Verschiedenheit der Altlasten und komplexer Schadstoffgemische äußerst schwierig und bisher nicht gelungen. Angesichts der hohen Unkenntnis auch der Welt der Mikroorganismen - über 95% sind unbekannt - sind die Risiken außerdem nicht einschätzbar. Die Freisetzung genmanipulierter Mikroorganismen zum Abbau von Schadstoffen im Boden ist die Vertreibung des Teufels mit dem Belzebub.
Der BUND lehnt Freisetzungen von GmOs zu Umweltsanierung ab.
| Keine Gentechnik als "Wirtschaftsmotor" | > ausführlicher & Forderungen |
Selbst Manger der Gentechnikkonzerne erwarten keine nennenswerte Steigerung der Arbeitsplätze durch Gentechnik (Prognos). Totz 20jähriger Forschung wurden die ehrgeizigen Verheißungen in keinem Anwendungsbereich eingelöst. Immer noch hohe Unkenntnis verhindert das weiter und steigert die Zahl der Belege für unüberschaubere Risiken. Akzeptanz und die Bereitschaft, Kapital bereitzustellen sinkt. Der Investitionserfolg blieb aus. Deshalb müssen jetzt unausgereifte Produkte vorzeitig vermarktet und Verheißungen und Investitionen weiter gesteigert werden, um nicht mit hohen Verlusten schon jetzt aus dem Rennen zu scheiden. Das bläht F&E-Investitionen, Verschuldung, Arbeitsplätze immer riskanter auf. Fieberhafte Fusionen sollen das auffangen. Bleibt der Mittelrückfluß weiter aus, folgen "rote Zahlen" und Entzug von Kapital (2000: Verfall von Nasdaq, Nemax). Davor warnte 1999 schon die Deutsche Bank. Mit ihren gentechnischen Träumen platzen dann Gentech-Konzerne, "Start-Ups", Arbeitsplätze und die Vorstellung vom Wirtschaftsmotor Gentechnik wie eine Seifenblase. Falls nicht, entsteht eine andere Gefahr: bei weiteren Fusionen verleiben sich die "life-science"-Konzerne nach den SaatgutKonzernen auch Lebensmittelproduktion und -handel ein. Dann haben sie erreicht, was Monsanto offen anstrebte: Weltherrschaft über die Gesundheits- und Nahrungsversorgung (Monsanto feeds the World) und politische Macht über die Weltbevölkerung.
Der BUND lehnt deshalb die einseitige Förderung der Gentechnik als Wirtschaftsmotor des 21 Jahrunderts ab.