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Vorbemerkung: Chancen der Gentechnik werden hier nicht bestritten. Sie werden hier im Zwang zur Kürze aber nicht ausdrücklich dargestellt, sondern nur beiläufig benannt, um ihre Problematik kritisch darzustellen. Dies ist legitim, weil auch die Befürworter mit umgekehrtem Vorzeichen und weitaus höherem Mittelaufwand so verfahren. "Waffengleichheit" ist dadurch noch nicht erreicht.

 

Kein Innovationsmißbrauch - auch nicht der Gentechnik!

< Kurzfassung   > Vertiefung & Begründung

Die Innovation Gentechnik ist die künstliche Übertragung (Manipulation) einzelner fremder und künstlicher Erbinformationen (Gene) in das Genom (die Gesamtheit aller Erbinformationen) von Menschen, Tieren und Mikroorganismen. Dabei werden - im krassen Unterschied zu Gentransfer in herkömmlicher Züchtung und in der Natur - weder Artgrenzen, noch die hohe Unkenntnis der Genome, noch deren Funktionszusammenhänge beachtet. Deshalb warnten Kritiker vor unerwarteteten Folgen. Inzwischen bestätigten sich diese Warnungen tendenziell, während die Gentechnik ihre Verheißungen aus dem gleichen Grund nicht einlösen konnte.

Nach Molekülen und Atomen sind es nun die Gene, in die Technik - spaltend - eingreift. Wieder einmal eine Innovation, die angeblich das Leben der Menschen verbessern soll. Die Eingriffe in Moleküle und Atome lehrten jedoch schon, daß solche Innovationen immer auch zerstörerisch werden ("dual use"):

So drohen unbeabsichtigte Folgen und ungelöste Probleme wie das Ozonloch und Atommüll das Leben auch kommender Generationen dramatisch und unvertretbar zu belasten und zu verschlechtern. Solche Eingriffe zerstörten Leben und Möglichkeiten zu wirklicher Lebensverbesserung, indem sie Produktion neuer Waffen und neue Formen der wahnhaften Jagd nach Überlegenheit, Macht und Profit ermöglichten, die tatsächlicher Lebensverbesserung in allen Teilen der Welt ohne destruktiven Innovationsmißbrauch die nötigen Mittel entzogen. Schon bevor also unbeabsichtigten Folgen und Folgeprobleme dieser Innovationen eskalierten und sichtbar wurden und noch bevor beabsichtigter Einsatz von Chemie- und Atomwaffen Leben massenhaft beschädigte und vernichtete, zerstörten diese Innovationen mögliche wirkliche Lebensverbesserungen und Leben. Dies alles könnte das vergangene Jahrhundert mehr als jedes Voraufgegangene gelehrt haben. Grund Genug, sich an der Schwelle eines neuen Jahrtausend vom Machbarkeitswahn des vergangenen Jahrhunderts, alles zu machen was gemacht werden kann, zu verabschieden, um unbeherrschbare Zerstörungseskalationen als zwangsläufige Folge von Innovationsmißbrauch zu vermeiden.

Aber daß diese Lektion nicht gelernt wurde, zeigt die überstürzte Anwendung der noch unausgereiften Gentechnik ausgerechnet durch die Chemiebranche, die neben der Atomphysik am meisten Grund zum Lernen hätte. Besonders in der BRD, wo dies (Hoechst, Bayer, BASF) die Nachfolger jenes Konzerns sind (IG Farben), der noch vor 60 Jahren die Menschenverachtung durch Bereicherung an Menschenversuchen und Menschenvernichtung auf eine entsetzliche, in der Weltgeschichte einmalige Spitze trieb; wo das voraufgegangene faschistische Regime den atomaren Wettlauf auslöste. Das zeigt: diese Lektion wurde nicht gelernt, sondern verdrängt.

So wird gegenwärtig mehr den je Vernunft auf Profitmaximierung und Wertorientierung auf Anbetung von Leistung, Größe, Profit und Macht reduziert. Anstelle des kalten Krieges gegensätzlicher politischer Systeme um Herrschaft über Territorien führen globale Konzerne jetzt einen eiskalten Krieg um Weltmärkte. In diesem neuen Weltkrieg um Märkte kämpfen die sogenannten "liefe science"-Konzerne um Herrschaft über die globale Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung. Mit Gentechnik und Mißbrauch der Patentierung versuchen sie nun auch, Eigentum an und Herrschaft über das Leben selbst zu erringen.

Das unkontrollierte Wachstum und die Globalisierung der Konzerne hat in den vergangen Jahren bereits die finanzielle und politische Macht auch demokratischer Staaten untergraben. Dadurch haben sie in einem unvertretbaren Ausmaß Macht und Herrschaft über Wissenschaft und Forschung gewonnen: zunehmende Größe und Transnationalität ermöglichte den Konzernen, mit der Verlagerung von Entwicklung, Geschäftssitz und Produktion in ein anderes Land zu drohen, um steuerliche Entlastungen zu erzwingen. Das leerte die Staatskassen. Unabhängiger, weil öffentlich finanzierter Forschung wurden dadurch Mittel entzogen, so daß durch besserer Dotierungen und Finanzierung von Projekten (Drittmittel) durch die Konzerne Wissenschaftler abgeworben oder gebunden und so Einfluß bis Herrschaft der Konzerne unterworfen werden konnten.

Das entzog Forschungsziele einem rechtzeitigen gesellschaftlichen Diskurs, installierte Scheren in die Köpfe "privatisierter" Wissenschaftler, raubte ihnen Objektivität und Glaubwürdigkeit und instrumentalisierte ihre Wissenschaft und Forschung zur Waffe im Weltkrieg um Märkte. Satt aufzuklären, was Wissenschaft einst im Sinn hatte, bedient sie als "Privatisierte" mehr und mehr die Herrschaftsinteressen globaler Konzerne, die mit Geschichten statt Sachdiskussionen, Symbolen statt Logik neue Mythen anstelle von Aufklärung, quasi-religösen Glauben an Erlösung von allen Übeln durch Gentechnik anstelle von Information und Wissen zu setzen versuchen. Wenn sich Forschung in völliger Abhängigkeit von Konzernen, die mit gehirnwaschenden Mythen um die Weltherrschaft über die Nahrungs- und Gesundheitsversorgung der Weltbevölkerung kämpfen, auf die verfassungsrechtlich garantierte Forschungsfreiheit beruft, wird der Verfassungsauftrag auf den Kopf gestellt. Welche unerwünschten und verfassungswidrigen sozialen, kulturellen und politischen Folgen das haben kann, zeigte Sloterdijks Vision einer sich gentechnisch selbst perfektionierenden Elite, an deren Wesen wieder einmal die Welt genese ....!

Diese Strukturveränderungen, in denen die Wurzeln der schlimmsten Verirrung wieder zu wuchern beginnen, die Menschen jemals unterliefen( s. a. die Gewalt von Rechts), und die entsetzlichen Erfahrungen mit Inovationsmißbrauch verpflichten den BUND zur kritischen Hinterfragung der überstürzten und draufgängerischen Anwendung der noch völlig unausgereiften Gentechnik.

Höchste Unkenntnis der Genome und ihrer Funktionszusammenhänge bei Pflanzen, Tieren, Menschen und der Welt der Mikroorganismen, in die Gentechnik in bisher unerreichter Tiefe eingreift sowie die bewußte Vernachlässigung dieser Unkenntnis in der Risikobewertung noch beim Beginn praktischer Anwendung sind Folge dieser historischen Strukturveränderung in Wissenschaft und Wirtschaft. Sie wurden und werden durch modernistisch verblendet Politik herbeigeführt, die das Gegenteil von zukunftsfähig ist.

 

Der BUND lehnt jeden Innovationsmißbrauch, auch der Gentechnik, ab - besonders zur Steigerung wirtschaftlicher, politischer und militärischer Macht. Der BUND fordert:

 

zukunftsfähige Wissenschafts-, Ernährungs-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik (s. BUND-Studie "Zukunftsfähiges Deutschland"

Gewährleistung der Marktwirtschaft und Marktstabilität durch

> Beschränkung von Marktanteilen auf unter 5%

> Verbot von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit mit uneingelösten Versprechungen und Aussagen ohne Information über wissenschaftlich belegte Fakten

Gewährleistung der Forschungsfreiheit durch

> Steigerung öffentlicher Finanzierung

> gesetzliche Regelung privat finanzierter Forschung und ihres Anteils

> Verbot der Gehimhaltung von Forschungsergebnissen

Gewährleistung der Souveränität des Volkes durch

Diskurse über Forschungsziele, -projekte und die Anwendung neuer Erkenntnisse, die gesetzlich vorgeschrieben und geregelt

> eine repräsentative Teilnehmerstruktur haben

> Ängste und ethische Einwände Gewinninteressen gleichstellen

> informiert verbindlich über Durchführung, Anwendung und Unterlassung entscheiden.

Gesetzliche Verpflichtung zur

> Berücksichtigung hoher Unkenntnis als Risikofaktor in der Risikobewertung

> Abschätzung und Bewertung langfristiger sozialer, ökologischer und ökonomischer Folgen sowie Abwägung des Gesamtnutzens gegen die Gesamtrisiken für das Gemeinwohl bei der Genehmigung von Forschungszielen, Freisetzungen und Inverkehrbringungen.

 

Keine Gentechnik in der Landwirtschaft!

< Kurzfassung   > Vertiefung & Begründung

Gentechnik in der Landwirtschaft ist gegenwärtig vorwiegend Freisetzung und Anbau genmanipulierter Pflanzen. Dabei werden weder ökologische Zusammenhänge, noch wirtschaftliche und soziale Folgen für Betroffene ausreichend berücksichtigt. Gegen die mehrheitliche Ablehnung von Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion werden in der BRD mit Hilfe eines mehrfach rechtswidrigen Genehmigungsverfahrens für Freisetzungen, durch Genverschmutzung von Saatgut und Sonderzulassungen für großflächigen Anbau heimlich Tatsachen geschaffen, ohne daß Betroffen dagegen rechtzeig den Rechtsweg einschlagen können. In den jungen Staaten des ehemaligen Ostblocks wird dazu der Mangel an rechtlichen Regelungen mißbraucht. Durch heimlich und rechtswidrig geschaffene Tatsachen werden Auskreuzungs- und Genverschmutzungsketten gestartet, die nicht mehr zu stoppen sind. Ahnungslose Landwirte, die von Freisetzungen oder Anbau genmanipulierter Pflanzen in ihrer Nachbarschaft nichts erfahren, drohen Erlöseinbußen und existenzbedrohende Schadeneersatzansprüche ihrer Abnehmer, in der BRD neuerdings Vermarktungsverbote für ihre Ernten. Wer dafür haftet, ist bislang ungeklärt. Grenzwerte für Saatgut würden die Gefahren für benachbarte Landwirte verstärken, weil die Auskreuzung der tolerierten Genverschmutzung in der Nachbarschaft häufig Freisetzungen und Inverkehrbrinungen ohne Genehmigung verursachen.

Die Agrar-Gentechnik zeigt sehr deutlich, daß Artgrenzen, Unkenntnis der Genome und ihrer Funktionszusammenhänge nicht ungestraft mißachtet werden können: die Warnungen der Kritiker werden mehr und mehr durch unerwartete und unverstandene Folgen belegt und die Verheißungen können nicht erfüllt werden. Die verheißen Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegen Viren, Bakterien, Pilze und Streß (Hitze, Trockenheit, Nässe, Salz) spielen bei Freisetzungen kaum eine Rolle. Die für Widerstandsfähigkeiten gegen Pflanzenvernichtungsmittel und Schadinsekten verheißene Senkung von Arbeits- und (Spritz-)Mitteleinsatz will sich nicht sicher einstellen; wenn sie überhaupt erzielt werden, werden sie in den Folgejahren überkompensiert werden, weil sich Resistenzen der bekämpften Schadkräuter und -insekten herausbilden, deren Vermeidung oder Bewältigung zusätzlichen Arbeits- und Mitteleinsatz erfordert.

Schon deswegen ist von der Gentechnik kein Beitrag zur Beseitigung von Hunger zu erwarten. Dies wäre außerdem der falsche Weg: denn Hunger entsteht in Zeiten der Überschußproduktion nicht durch produktionstechnische Defizite, sondern durch Struktur- und Verteilungsdefizite in totalitären und korrupten Saaten. Das lehrte die "grüne Revolution". Außerdem ist wegen hoher Entwicklungskosten keine gentechnische Optimierung äußerst heterogener lokaler Sorten und Anbauweisen bei Stärkung bäuerlicher Familienbetriebe und Subsistenzwirtschaft zu erwarten, sondern weltweite Monokulturen, die Hungerursachen in Bodenerrosionen, Vereinseitigung der Ernährung, Reduktion der Nutzpflanzenvielfalt und in Verteilungsdefiziten verschärfen werden.

Mit der Genmanipulation von Tieren wird neben umstrittenen Ertragssteigerungen vor allem die Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen (GenePharming) und Organen für die Transplantation (Xenotransplantation) erhofft. Auch hier bestätigen sich die Warnungen der Kritiker, während sich die Verheißungen nicht erfüllen. Sie ist, anders als die Genmanipulation von Pflanzen, noch weit vom Praxiseinsatz entfernt. Für die Landwirtschaft werden Genmanipulationen mit medizinischen Zielsetzungen ohne Bedeutung bleiben, da eine extrem sterile Haltung erforderlich ist und angestrebt wird, den Weltbedarf an Wirkstoffen mit kleinsten Herden zu decken.

Der BUND lehnt deshalb gegenwärtig Gentechnik in der Landwirtschaft ab! Der BUND fordert:

Stop von Freisetzungen und Anbau bis zur

Ausschöpfung der Grundlagen- und Sicherheitsforschung im Containment;

unbeschränkte Haftung von Gentechnikanwendern und Versicherungspflicht;

Grenzwert 0,000000% für Saatgut

Förderung und Schutz des ökologischen Landbaus.