letzte Aktualisierung 14.09.00

Blomberg: Briefe

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29.06.2000 Offener Brief an freisetzenden Landwirt Lanwermann: Appell, den Aventis-Vertrag zu kündigen

05.06.2000 eMail von Aventis an Stadt Blomberg: unvollständige Detailangaben zur geplanten Freisetzung

 

 

Herrn
H. Lanwermann
Detmolder Str. 62

32825 Blomberg


Freisetzungsversuch mit transgenen Winterraps-Hybriden

Blomberg, 29.06.2000

Sehr geehrter Herr Lanwermann,

in der Hauptausschusssitzung des Rates der Stadt Blomberg vom 15.06.2000 teilte der dort anwesende Vertreter der Firma Aventis CSD, Tönisvorst, mit, dass Sie dem Konzern eine Fläche für einen Freisetzungsversuch mit transgenen Winterraps-Hybriden zur Verfügung stellen werden.

In der gleichen Sitzung beschloss der Ausschuss, dass angesichts der bislang ungeklärten Gefährdung von Natur und Bevölkerung durch die Gentechnik genmanipuliertes Saatgut auf städtischen Flächen nicht ausgebracht werden darf und die ortsansässigen Landwirte zu einem Verzicht auf die Aussaat derartigen Saatguts aufzufordern sind. Eine Kopie des Presseartikels aus der "Landeszeitung" fügen wir bei.

Die Fraktion und der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen fordern Sie auf, den Vertrag mit der Firma Aventis mit sofortiger Wirkung aufzukündigen. Gentechnisch verändertes Saatgut stellt durch Auskreuzung eine Gefahr für andere Pflanzen und Insekten, zum Beispiel Bienen, dar. Die Folgen, insbesondere auch für den Menschen, sind bislang noch nicht hinreichend erforscht.

Freilandversuche beinhalten das Risiko einer unkontrollierbaren Freisetzung der Pollen dieser gentechnisch veränderten Pflanze. Ein Schutzstreifen ist wirkungslos, da bei Raps der Pollenflug bis 4.5 Km wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Kündigen Sie, sehr geehrter Herr Lanwermann, den Vertrag mit Aventis!

Handeln Sie bitte, bevor erstmalig in Blomberg gentechnisch veränderte Pflanzen sich ausbreiten können!

In Fragen der Gentechnik muß stärker als in anderen Bereichen gelten:

"Gemeinwohl geht vor Eigennutz".

Mit freundlichen Grüßen

gez. Hans-Ulrich Arnecke

P.S. Angesichts der besonderen Gefährdung der Bevölkerung erachten wir es als notwendig, dieses Schreiben als "offenen Brief" zu veröffentlichen. Wir haben ihn deshalb der örtlichen Tagespresse zur Kenntnis gebracht.

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Sehr geehrter Herr Schallock,

wir bedanken uns für Ihr Schreiben vom 23.05.2000 und nehmen zu Ihren Fragen wie folgt Stellung:

  1. Der im Ortsteil Istrup der Stadt Blomberg geplante Versuch zur Entwicklung und Überprüfung von transgenen, leistungsfähigen Winterraps-Hybriden ist eine sogenannte Freisetzung auf der Basis des nationalen deutschen Gentechnikrechtes. Die Arbeiten werden durch die zuständige Aufsichtsbehörde in Bielefeld (Staatliches Umweltamt) kontrolliert! Eine von der zuständigen deutschen obersten Bundesbehörde (RKI Berlin) für dieses Projekt und den dazu benannten Repräsentativstandort in Niedersachsen erteilte Genehmigung liegt seit 1998 vor; den entsprechenden Genehmigungsbescheid werde ich zur Einsicht am 15.06.00 bereithalten.
  2. Der Versuch ist in der Gemarkung Istrup, Flur 1 vorgesehen; die Nachmeldung der entsprechenden  Flurstücke wird nach der endgültigen Festlegung der Versuchsfläche beim RKI in Berlin vorgenommen!
  3. Die Versuchsfläche wird dem Unternehmen AVENTIS CSD GmbH als dem Betreiber nach Gentechnikrecht von dem Landwirt H.Lanwermann, Istrup, zur Verfügung gestellt; die Versuchsdurchführung liegt in der Verantwortung von AVENTIS CSD GmbH.
  4. Die Information der zuständigen Aufsichtsbehörde (Staatliches Umweltamt Bielefeld) erfolgt durch uns und über das Umweltministerium NRW durch das RKI Berlin. Die Landwirtschaftskammer Westfalen sowie der Bundesverband der Pflanzenzüchter sind durch uns vorinformiert worden. Ferner werden mit Beginn der Arbeiten die zuständigen Polizeibehörden informiert.

Mit freundlichen Grüßen
Aventis CSD GmbH

J.W.Glameyer   05.06.2000

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