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Novartis
nicht gegen
Moratorium

 

 

Quelle:
Frankfurter
Rundschau

Unternehmen will sich Gentechnik-Moratorium nicht widersetzen

Saatguthersteller Novartis verzeichnet "emotionale Auseinandersetzung" und deutet Bereitschaft zu Denkpause an

Von Michael Emmrich

Sollte sich die EU für eine Denkpause bei der Genehmigung für den Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen aussprechen, würde dies der Saatguthersteller Novartis als Realität akzeptieren und sich dem nicht widersetzen. Dies sagten Vertreter von Novartis am Rande einer Veranstaltung des Schweizer Unternehmens in Dresden. Novartis ist einer der weltweit bedeutendsten Produzenten von gentechnisch veränderten Pflanzen.

DRESDEN, 29. November. Alexandre Jetzer, Vorstand in der Basler Konzernzentrale, und Dieter Wißler, Präsident von Novartis Deutschland, sagten im Gespräch mit der FR, daß sie selbst zwar kein solches Moratorium wünschten und es auch für falsch hielten, es aber unter bestimmten Voraussetzungen akzeptieren könnten. Denn "das Szenario hat sich in den vergangenen Jahren in Europa geändert", ergänzte Wißler. Den Anbietern von genveränderten Pflanzen wird in der EU zunehmend Skepsis entgegengebracht.

Dieter Wißler unterstreicht dagegen, daß sich die wissenschaftlichen Fakten nicht verändert hätten. Denn die in den USA und der EU zugelassenen Pflanzen seien ökologisch und gesundheitlich unbedenklich. Jedoch habe sich in der Bevölkerung eine andere Risikowahrnehmung aufgebaut. Die Debatte habe sich weg von den wissenschaftlich eindeutigen Daten hin zu einer emotionalen Auseinandersetzung über genveränderte Nahrung verlagert. Dies spiegele sich auch im rot-grünen Bonner Koalitionsvertrag wider, wo die "grüne Gentechnik" mit Skepsis behandelt werde.

Wißler fürchtet, daß in Deutschland in diesem Bereich nun eher "gebremst" werde und die Unternehmen mit "Schwierigkeiten" rechnen müßten. Dies werde wohl auch Auswirkungen auf die EU haben, wo Deutschland in den vergangenen Jahren die neue Technologie stark unterstützt habe. Dies erscheint Novartis nun gefährdet, weil Deutschland in der EU eine bedeutende Rolle einnehme.

Ein Unternehmen, sagte Wißler, könne seine Produkte aber nicht gegen eine solch "mächtige Strömung" durchsetzen. Ein Moratorium könne aber nur für noch nicht zugelassene Pflanzen gelten. Da die Fakten klar seien, sagt Wißler, wäre ein Moratorium zwar ein wissenschaftlicher Rückschritt. Eine befristete Denkpause sei aus Sicht der Industrie als letztes Mittel aber dann zu akzeptieren, wenn sie genutzt werde, um die gegenwärtige Pattsituation zwischen Befürwortern und Gegnern zu überwinden. Es ist das erste Mal, daß ein Saatguthersteller sich in dieser Weise äußert.

Das Mißtrauen der Verbraucher koste die Industrie "Millionensummen", sagte Wißler zum Auftakt des "2. Novartis Forum". Das Unternehmen hatte den Dialog zwischen gesellschaftlichen Gruppen erstmals 1997 organisiert, um die Debatte über Gentechnik voranzutreiben. Wißler appellierte an die Unternehmen, keine "überzogenen Versprechungen" zu machen, und an die Kritiker, Mutmaßungen nicht als Fakten darzustellen. Denn dies verunsichere die Verbraucher.

Dazu gehört auch, daß Kunden gar nicht wissen, in welchen Nahrungsmitteln schon Gentechnik drin ist. Etwa 80 Prozent aller Produkte im Supermarkt, sagte Klaus Warzecha vom Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, seien bereits auf irgendeine Weise mit Gentechnik in Berührung gekommen. Der Handel wisse oft nicht, was ihm angeboten werde. Auch Novartis spricht sich deshalb für eine klare und umfassende Kennzeichnung von genveränderten Lebensmitteln aus. Die Kritikergruppen führten vor allem an, daß der Nutzen der Pflanzen für die Kunden nicht gegeben und gesundheitliche wie ökologische Risiken nicht auszuschließen seien.

[ dokument info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau 1998
Dokument erstellt am 29.11.1998 um 20.45 Uhr
Erscheinungsdatum 30.11.1998

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