| AGRAR.de News
[ Erwiderungen lesen | Zurück zur Übersicht ]
[ Vorherige Nachricht | Nächste Nachricht ]
Gefährdet Genmais Nützlinge ?
Geschrieben von @grar.de
Aktuell (c) am Samstag, 20. Maerz 1999, um 13:14 Uhr
Bern (agrar.de) - Für hitzige Diskussionen haben Forschungsergebnisse Schweizer
Insektenforscher jetzt in Basel gesorgt.
Ihr Befund: mit dem Bt-Toxin des Bacillus thuringiensis (Bt) gentechnisch veränderte
Nutzpflanzen töten nicht ihre Schädlinge, sondern auch deren Räuber.
Die Bt-Nutzpflanzen produzierten von der Saat bis zur Ernte das Insektengift in allen
ihren Zellen. An Stelle einer einmaligen Dosis auf die Außenhaut nehmen
Pflanzenschädlinge das Gift nun chronisch auf, überleben und werden ihrerseits von
Räubern gefressen.
"Es gibt komplexe Wechselwirkungen, von denen wir zu wenig wissen", sagte
Angelika Hilbeck, Wissenschafterin von der Eidgenössischen Landwirtschaftlichen
Forschungsanstalt Reckenholz bei einer internationalen Entomologentagung in Basel.
Hilbeck zufolge belegten Laborversuche, daß Bt-Mais von Novartis nicht nur den
Schädling Maiszünsler, sondern auch die Florfliege tötete, die sich vom Maiszünsler
ernährt.
Ihr überraschender Befund kam, nachdem die ersten Bt-Pflanzen in Europa bereits als
ökologisch unbedenklich zugelassen worden waren
"Frau Hilbeck hat uns ins Schwitzen gebracht." zitiert der Baseler
Tagesanzeiger Fred Klingauf von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und
Forstwirtschaft in Braunschweig, der deutschen Zulassungsbehörde.
Für Novartis sind Hilbecks Ergebnisse hingegen lediglich "Laboreffekte".
"Wir haben die von Frau Hilbeck im Labor gefundenen Effekte im Freiland untersucht.
Weder Florfliege noch andere Nützlinge erlitten nach unseren bisherigen Erkenntnissen
einen Schaden vom Bt-Mais.", sagt Arthur Einsele von Novartis.
"Nicht alle Insekten reagieren auf die genetisch veränderten Nutzpflanzen gleich.
Jede Art muß einzeln im Labor und im Feld getestet werden." unterstreicht William
Moar von der Universität von Auburn in Alabama Doch ähnliche Untersuchungen anderer
Institute könnten die These Hilbecks stützen.
So befreite das Bt-Gift in den Blättern die Kartoffel vom Kartoffelkäfer. Doch erste
Hinweise deuten darauf hin, daß ein sekundärer Schädling in die Lücke springt: die
Sing-Zikade.
Nicholas Birch vom schottischen Crop Research Institute zufolge werden Marienkäfer
vergiftet, wenn sie Blattläuse fressen, die sich von einer lektinhaltigen
Gentech-Kartoffel ernährten (Lektine sind Abwehrstoffe, mit denen sich vor allem Pflanzen
vor Insektenfraß schützen).
Doch derart unerwünschte Effekte werden in der Nahrungskette womöglich erst sichtbar,
wenn die gentechnisch veränderten Nutzpflanzen großflächig angebaut werden. Für
Nützlinge würde es erst dann eng, so vermutet Ökologe Birch, wenn sie keine
ausreichenden Fluchtgebiete mehr finden. Dies könnte in den Vereinigten Staaten
tatsächlich schon jetzt eintreten.
In den USA befinden sich derzeit 43 gentechnisch veränderte Nutzpflanzen (z.B.
Bt-Mais, Bt-Baumwolle, Bt-Kartoffel, Bt-Reis) auf dem Markt. Von ihnen sind durch das
Bt-Toxin bisher 14 resistent gegen Insektenfraß (in Europa 3). (hs)

CREAM Consultants - Agrar-
und Umweltmarketing
AGRAR.de News - ein Service von AGRAR.de. Powerd by WEBBBS 2.27d. |