Novartis. Neue Künste. In alten Symbolen.
Bio-Landwirt, Bio-Gemüse, Bio-Laden, Bioland - ... Biotechnik
... Bio-Regio. Wenn sie Gentechnik meinen sagen viele Apostel der Gentechnik Biotechnik.
Um sich das Vertrauen zu erschleichen, das biologischer Landbau und Biotechniken wie
Backen und Bierbrauen aufgebaut haben und um ihre Genpfuscherei im Schafspelz des
"Bio-" zu verbergen.
Diesen Etikettenschwindel versucht Novartis entsprechend der
Empfehlungen von Burson Marsteller nicht nur sprachlich, sondern auch
symbolisch: Form und Farben des Novartis-Logos erinnern an die Logos der beiden
Hersteller von Naturheilmitteln, Weleda und Wala, die wie keine anderen die Konzeption
ihrer Produktion und ihrer Produkte auf die Erforschung des Lebendigen in seinen gesamten
Lebenszusammenhängen gründen.
Den Anschein dieses Ansatzes versucht die Branche sich mit dem
Begriff "life science" zu geben. Novartis versucht das auch mit der Ähnlichkeit
des Logos zu den Logos dieser beiden Heilmittelhersteller. Sie wurden 1996 von einer
"Bio-Regio-Agentur" animiert, in einer "Bio-Regio"-Sonderbeilage zur
Stuttgarter Zeitung mit Inseraten und redaktionellen Beiträgen neben Gentechnik-Firmen
aufzutreten.
"life science", die Formel, mit der globale
Chemie-Giganten kreidestimmig die Trennung von ihrer Vergangenheit beschwören, beschwört
jedoch eine "Wissenschaft vom Leben" in einem Geist, der Natur- und
Lebensgesetze nicht ergründet und respektiert, sondern bricht. Nicht die Herstellung und
Pflege optimaler Bedinungen zur Selbstentfaltung des Lebendigen hat Gentechnik im
Biotechnik- und "life science"-Schafspelz im Sinn, sondern Verbiegung des
Lebendigen zur Anpassung an ihm entfremdete Bedingungen.
So sehr Gentechnik im "life
science"-Schafspelz, die "neue Kunst" von "Nov-Artis" das
Gegenteil der Erforschung des Lebendigen in seinen Lebenszusammenhängen zum Zwecke ihrer
Erhaltung und Pflege ist, so schamlos eignet sich diese "neue Kunst",
"Nov-Artis", deren Symbole dieses Ansatzes an.
Dieser Etikettenschwindel ist epochal. Nicht nur, weil er an
der Jahrtausendwende stattfindet.
Greifen die Formen der imitierten Symbole noch in ehrlichem
Anspruch auf Symbole des Wissen von Lebendigen am Beginn der Geschichte des
Mittelmeerraumes zurück, täuscht "Nov-Artis" mit Subsymbolen deren inhaltliche
Substanz vor, vertreibt diese inhaltliche Substanz aber zugleich aus dem, was die
"neue Kunst", Gentechnik im "life science"-Schafspelz, mit
Lebendigem treibt:
Tragende Hände - der Weg neuen Lebens in seine
Lebendigkeit.
Auf der Homepage von Novartis dominiert keineswegs das Logo,
sondern ein Subsymbol, dessen gegenständlicher Inhalt - Hände, die den Fuß eines Kindes
tragen - jedoch formale Analogien mit dem scheinbar abstrakten und gegenstandslos
wirkenden Logo aufweist.
Dieses Subsymbol erzeugt unweigerlich Vorstellungen und
Gefühle von Verantwortung, besten Absichten, Liebe, Lebensbejahung. Die Formale
Ähnlichkeit mit dem Logo soll diese Gefühle auf das Logo übertragen. Die andere
emotionale Seite des Subsymbols - Schutzbedürftigkeit, Abhängigkeit, Schwäche,
Unterlegenheit gegenüber einer noch fremden Welt - Verbindet sich schon deswegen nicht
mit dem Logo, weil niemand auf die Idee käme, daß Novartis sich als schutzbedürftig,
abhängig und schwach präsentieren möchte. Diese emotionale Seite haben aber die meisten
Menschen doppelt in sich: einerseits weil alle Kind waren, andererseits weil sich die
meisten Menschen in ihrem Alltag schon aufgrund der hierarchischen Struktur der
Arbeitswelt häufig als unterlegen, abhängig, schwach, schutz- und zuwendungsbedürftig
erleben.
Das Subsymbol evoziert im Betrachter deshalb nicht nur Wünsche
nach Entlastung von den alltäglichen Erfahrungen der Unterlegenheit, Abhängigkeit,
Schwäche, Schutz- und Zuwendungslosigkeit, sondern auch infantile Wünsche nach
grenzenloser Geborgenheit und Getragenwerden. Es übt Regressionsdruck aus, der die Rollen
verteilt: unser unbewußter Kinderblick fällt auf das Logo und assoziiert Hände die uns
tragen - das sollen wir beim Anblick des Logos mit Nov-Artis assoziieren: die
"neue Kunst", "life science" - Geborgenheit im -
mütterlichen - Wissen vom Leben.
Dies wird durch ein zweites Subsymbol durch massive
Verstärkung des Regressionsdrucks herausgefordert.
Wie das Subsymbol des Kinderfußes in tragenden Händen steht
es auf der Internetseite "Novartis in Deutschland" an der gleichen
Position, mit gleicher Dominanz und hat die gleiche Form: eine blasse, kreisförmige
Fläche, deren Ränder sich ins Weiß auflösen. Einem oberflächlichen ersten Blick
erscheint dieses Subsymbol wie die Erde, deren untere Hälfte von etwas Undefinierbarem
überlagert wird. Der zweite Blick sucht nach gewohnten Formen der Kontinente, allerdings
vergeblich. Europa und Deutschland findet er auch nicht. Anscheinen hat das Subsymbol
weder zu dieser Internet-Seite noch zu Novartis einen inhaltlichen Bezug. Es drückt
anscheinend nichts aus.
Einem dritten Blick verwandelt sich die scheinbare Erdkugel in
ihr Gegenteil, den Himmel mit einer fernen Sonne zwischen leichten Wolken oder deren
Widerspiegelung in einer Kugel, die sich an den Rändern ins Weiß des Hintergrundes
auflöst. Die Erde, die der Himmel ist? Dieses Symbol transportiert keinen Inhalt, sondern
provoziert eine Veränderung der Wahrnehmung und des Fühlens: die Einheit des
Gegensätzlichen (Himmel und Erde), die Entrückung des betrachtenden Subjekts in die
Aufhebung des Raumes (die Koordinaten unseres räumlichen Wahrnehmens, oben und unten,
sind in der Einheit von Himmel und Erde aufgehoben), die Auflösung des betrachteten
Objekts im Weiß der "unio mystica" des schon mit dem Objekt
verschmelzenden und sich in ihm verlierenden Selbstes. Das ist sozusagen die
"Innenansicht" der Gefühle des Kleinkindes, sich von behütenden Händen
getragen und "in den Himmel gehoben" weiß. Im Betrachter ist das regressive
Entdifferenzierung der Wahrnehmung und Umstülpung des Selbstes - eine Rückkehr in
früheste Formen infantilen Wahrnehmens und Fühlens, die dem Wachbewußtsein des
Erwachsenen nicht mehr zugänglich sind.
Der formale Bezug dieses Subsymbols zum Novartis Logo
setzt den Regressionsdruck fort: der senkrechte blaue Keil vor weißem Hintergrund - in
der Position des Kinderfußes - macht eine farbliche und formale Umstülpung durch: er
wird zum weißen runden Punkt vor blauem Hintergrund, die geschwungenen gelben und
orangen Linien - in der Position der tragenden Hände - verblassen und verschmelzen in
Farbe und Form zu einer Art "verzerrter Mondsichel" .
Die beiden Subsymbole interagieren, spielen mit unserem
Unbewußtenund drängen uns in die Regression unseres Fühlens: sie rücken uns gegenüber
der Stilisierung ihrer Form im Novartis-Logo in den Zustand von Geborgenen, Getragenen,
von den Anstrengungen eigener Schritte in einer widersetzlichen Welt Erlösten.
Nov-Artis, die "neue Kunst", "life
science", die Wissenschaft vom Leben wird es sein, die uns tragen, Geborgenheit
schenken und von den Lasten der widersetzlichen Alltagswelt erlösen wird. Das ist die
frohe Botschaft, die uns das Novartis-Logo verkündet.
Klammheimlich vollendet diese Symbolik die Apotheose, die mit
Gentechnik beginnt: die Schöpfer neuer Wesen avancieren zu unseren Erlösern.
Hände, die das Sonnenkind in den Himmel heben
Das Gebilde, das die "Vereinigung von Himmel und
Erde" überlagert, die Verschmelzung der beiden stilisierten Hände zu einer Art
Mondsichel, ist eine Annäherung sowohl an das Wala-Logo als auch an ein zentrales
religiöses Symbol aus den Anfängen schriftlicher Überlieferung am Beginn der Geschichte
des Mittelmeerraumes, das zugleich für den wissenden behutsamen Umgang mit jenen Welten
frühesten infantilen Wahrnehmens und Fühlens und die damalige Lichtgestalt, das
göttlich Sonnen-Kind Re, steht: Das Sonnenkind, das von den Armen des Lebenssymbols
(Anch), verschiedener Götter oder von den Hörnern der kuhköpfigen Göttin Hathor
"in den - eindeutig weiblich-mütterlichen - Himmel (Nut) gehoben" wird.
Das dieser Vorstellung zugrundeliegende frühkindliche Erleben
ist in uns allen virulent: wer jauchzte nicht vor Vergnügen, wenn uns mütterliche Arme
in den Himmel hoben". Und war es "davor" nicht eine Art Erlösung wenn
endlich die geöffneten Hände über der Wiege erschienen und es hinauf ging .... in den
Himmel ..... die Milchstraße ... Muß noch ausgebreitet werden, daß das Subsymbol der
"Verschmelzung von Himmel und Erde", die "himmlische Kugel der Mutter
Erde" dort einen weißen Punkt hat, wo es gewöhnlich die Milch gibt?
Die Inhalte und die Formen beider Subsymbole führen eindeutig
in infantile Welten. Ihre Form verbindet sie zugleich mit der psychischen Dynamik
sowohl einer Regression in infantile Wahrnehmungs- und Erlebniswelten, als auch von
mystischem Erleben, und mit religiösen Vorstellungen und Symbolen des alten Ägyptens, in
denen der behutsame Umgang mit diesen Welten eine zentrale Rolle spielten. Wenn Maria,
Christus auf den Armen, in der Mondsichel steht, hebt am Ende nicht nur sie wie die
Götter des alten Ägyptens die zentrale Lichtgestalt in den Himmel - in der
Mondsichel heben die Arme der altägyptischen Götter und die Hörner der Hathor immer
noch mit. Oder sie steht wie Hathor/Nut mit der Lichtgestalt in der Barke, mit der sie in
den Himmel fährt.
Das von diesen altägyptischen Vorstellungen präsentierte
Wissen vom Leben - es hat im Anch-Zeichen ein eigenes Symbol - ist aber ein Wissen von der
Entfaltung von Eigenschaften des Lebendigen aus seiner Interaktion mit all seinen
Umgebungsbedingungen. Es ist alles andere als als im wahrsten Sinne des Wortes beschränkt
auf den Code der Gene.
Die Substanz dieses umfassenden Wissens vom Leben, desen
Symbole sich Nov-Artis, die "neue Kunst", für die Gentechnik im
"life-science"-Schafspelz aneignet, wird aber gerade durch die beschränkte
Beschränkung auf den Code der Gene aus dem Symbolisierten vertrieben.
Dies ist ein wahrhaft epochaler und gefährlicher
Etikettenschwindel, in dem errungene Kultur aufgegeben wird und Beschränkung
sich quasireligiöse Allmacht und Erlösungskraft anmaßt und anfängt, die Psychodynamik
von Menschen für ihre Allmachtsansprüche zu manipulieren und zu instrumentalisieren.
Am Ende der ersten Hälfte dieses Jahrhundert gab es
das schon einmal. Am Ende dieses Jahrtausends sollte sich die Zeit nicht wieder in eine
Finsternis wenden, die sich selbst für Licht hält.
Nicht Aufklärungsabsicht leitet Namens- und Symbolwahl der
GenTech-Konzerne sondern das genaue Gegenteil: sie versklaven sich Wissenschaft, die
antrat aufklärend Wissen zu sammeln um Leben aus realitätsfremdem Glauben und Mythen zu
befreien, und machen sie an der Wende zum 3. Jahrtausend christlicher Zeitrechnung wieder
zum "goldenen Kalb".
Auch in diesem Sinne könnte der aufgezeigte
Etikettenschwindel, der die "Weltgenesung an manipulierten Genen"
verheißt, epochal werden. Die Klientel von Burson Marsteller legt jedenfalls nahe,
daß Burson Marsteller mit Psychodynamik dieses Etikettenschwindels, die der
Psychodynamik des "Tanzes um Goldene Kälber" ebenso entspricht wie der
Psychodynamik der "Weltgenesung am deutschen Wesen", bestens vertraut ist.
Positive Wahrnehmung erzeugen - mit Symbolen statt Logik und
Geschichten statt Sachfragen - so lautet die Empfehlung von Burson Marsteller. Novartis
hats begriffen und umgesetzt - weniger direkt und platt wie Monsanto und Aventis, deswegen
aber nicht ungefährlicher.
|