2. Offener Brief an Monsanto
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aktionsbündnis
für gentechnikfreie lebensmittel
c/o gernot hofmann, burgstraße 44, 42655 solingenOffener Brief
Monsanto Deutschland GmbH
Geschäftsführung
Vogelsanger Weg 91
40470 Düsseldorf
Donnerstag, 12. November 1998
Fax 010190211 36 75 333
Rechtswidrige Nachmeldungen und Klagen gegen Kritiker
Ihr Schreiben vom 5.11.98 (Helmut Wagner)
Sehr geehrte Herren,
mit dem o.g. Schreiben beantwortet Herr Wagner für die Firma
Monsanto unsere Aufforderung vom 30.10.98, wegen der Hinweise des OVG Berlin auf Verstöße des
sogenannten "vereinfachten" Genehmigungsverfahrens für Freisetzungen
genmanipulierter Pflanzen gegen
den EG-Vertrag,
die europäische Freisetzungsrichtlinie,
das Gentechnikgesetz und
die Verfassung der BRD
auf Nachmeldungen von Freisetzungen zu verzichten und
juristische Schikanen gegen Menschen zu unterlassen, die sich gegen Freisetzungen auf der
Grundlage rechtswidriger Genehmigungsverfahren wehren.
Ungeachtet der Hinweise des OVG Berlin auf die Rechtswidrigkeit
des sogen. "vereinfachten" Verfahrens beruft sich Herr Wagner für Monsanto auf
dieses - wie er es formuliert - "behördlich vorgeschriebene Verfahren" und will
keinen Anlaß erkennen, auf Nachmeldungen im Rahmen eines rechtswidrigen
Genehmigungsverfahrens zu verzichten.
Ebenso sieht er für Monsanto keinen Anlaß, die Praxis
aufzugeben, kritische Bürger, die sich gegen den Mißbrauch eines rechtswidrigen
Genehmigungsverfahrens wehren, Rechtsbrüche in die Schuhe zu schieben und sie damit
einzuschüchtern. "Unbefugtes Betreten einer Versuchsfläche" haben Sie
jedenfalls bisher nicht bewiesen, sondern lediglich mit Hilfe einer eidesstattlichen
Versicherung des Empfängers Ihrer Pachtzahlungen, des Landwirtes Wilhelm Wettich,
behauptet. Sie werden zu beweisen haben, daß das keine Verleumdung ist.
Wir stellen fest, daß Monsanto laut Herrn Wagner
weiterhin gegen den EG-Vertrag, gegen die europäische
Freisetzungsrichtlinie, gegen das Gentechnikgesetz und gegen die Verfassung der BRD
verstoßen will, in- dem mit Nachmeldungen im Rahmen eines rechtswidrigen
Genehmigungsverfahrens heimliche Freisetzungen gegen die mehrheitliche Ablehnung von
Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion durchgesetzt werden;
weiterhin versuchen will, Menschen Rechtsbrüche in die Schuhe
zu schieben, die sich gegen den Mißbrauch rechtswidriger Genehmigungsverfahren wehren.
Darin können wir nicht erkennen, daß sich Monsanto, wie Herr
Wagner behauptet, "als verantwortungsvolles Unternehmen an alle rechtsstaatlichen
Vorgaben gebunden" fühlt. Im Gegenteil: Monsanto scheint den EG-Vertrag, die
europäische Freisetzungsrichtlinie, das Gentechnikgesetz und die Verfassung der BRD weder
respektieren noch einhalten zu wollen.
Wenn Monsanto "eine Diskussion über die Einführung einer
neuen Technologie im legalen Rahmen" will, wie Herr Wagner es vorgibt, dann müßte
Monsanto eben diesen legalen Rahmen, nämlich EG-Vertrag, EU-Freisetzungsrichtlinie,
Gentechnikgesetz und Verfassung der BRD erst einmal respektieren und einhalten, statt sich
winkeladvokatisch auf ein widerrechtliches Genehmigungsverfahren zu berufen, dessen
Gültigkeit und Rechtmäßigkeit die abgewählte CDU-Bundesregierung mit rechtswidrigen
Akten nur vorgetäuscht hat.
Gerade weil Gentechnik, wie selbst Herr Wagner für Monsanto
meint, "ein durchaus sensibles Thema" ist, setzt seine Forderung nach einer
"Diskussion über die Einführung einer neuen Technologie im legalen Rahmen"
voraus, daß Monsanto nicht unter Mißbrauch eines Genehmigungsverfahrens, das nach den
Hinweisen des OVG Berlin diesen "legalen Rahmen" bricht, indem es gegen jede
einschlägige Rechtsnorm der EU und der BRD verstößt, Freisetzungen gegen mehrheitliche
Ablehnung von Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion heimlich hinter
dem Rücken betroffener Bürger durchzusetzen versucht und diese, wenn sie sich gegen
solchen Mißbrauch von nur vorgetäuschtem Schein-"Recht" wehren, mit
unbewiesenen eidesstattlichen Behauptungen mundtot zu machen versucht.
Dies ist das genaue Gegenteil eines Beitrags zur Versachlichung
der Diskussion und zur umfassenden Information einer mehrheitlich ablehnenden Bevölkerung
- den Monsanto laut Herrn Wagner aber von kritischen Bürgern einfordert.
Freiwilliger Verzicht auf Nachmeldungen mindestens bis zu einer
- nicht zu erwartenden - Widerlegung der Hinweise des OVG Berlin auf ihre Rechtswidrigkeit
durch den europäischen Gerichtshof wäre der Minimalbeitrag, den Monsanto zur
Versachlichung der Diskussion leisten könnte, satt solche Beiträge immer nur von
kritischen Bürgern zu verlangen.
Verweigert Monsanto diesen Minimalbeitrag, zeigt sich, ob der
Monsanto-Slogan "Food - Haelth - Hope" nicht bloß doppelzüngiges Gesäusel
einer Schlange ist, die sich im Monsanto-Logo mit Blättern tarnt, um als scheinbar
schlangenfreier Baum der Erkenntnis biblisch-paradiesisch "Food - Haelth - Hope"
verheißen zu können.
Nun gut. Ihr Vorgehen ist Ihre Entscheidung. Wir wollen Sie
nicht von Eigentoren abhalten.
Es genügt jedenfalls nicht, den Beschluß des OVG Berlin nur
in den Passagen zur Kenntnis zu nehmen, die Ihnen in den Kram passen, die Konsequenzen von
ca. 2/3 der Beschlußbegründung des OVG Berlin zu ignorieren, ein Verfahren zur
Widerherstellung des vorläufigen Rechtsschutzes für einen Antrag auf "einstweilige
Verfügung" zu halten, sich differenzierende Durchleuchtung der Rechtslage zu
ersparen und als "falsche Behauptungen, unerträgliche, verantwortungslose, absurde
Polemik" unter den Teppich zu kehren.
Es genügt auch nicht, sich an den Strohhalm zu klammern, daß
das OVG Berlin eine rechtlich zweifelhafte verfahrensrechtliche Lücke gefunden hat, die
Einholung einer Vorabentscheidung des Europäischen Gerichtshofes vor sich her zu
schieben, und nur so vermeiden konnte, dem Antrag auf Wiederherstellung des vorläufigen
Rechtsschutzes stattgeben zu müssen.
Wir bleiben dabei: weitere Nachmeldungen verstoßen nach
den Hinweisen des OVG Berlin gegen den EG-Vertrag, die EU-Freisetzungsrichtlinie, das
Gentechnikgesetz und die Verfassung der BRD, sind deshalb Mißbrauch von bloß
vorgetäuschtem "Schein"-Recht und wären deshalb rechtsbrüchig,
antidemokratisch und verfassungsfeindlich.
Davor können Sie weiter die Augen verschließen. Aber wer zu
spät kommt, den bestraft das Leben ....
Mit freundlichen Grüßen
Gernot Hofmann
aktionsbündnis für gentechnikfreie lebensmittel |
Das stete Tröpfchen,
das selbst den
heißen Stein
zum Fasse
höhlt
und
-bald -
zum
Überlaufen
bringt
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