Monsanto Deutschland GmbH
Herrn Helmut Wagner
Vogelsanger Weg 91
40470 Düsseldorf
Fax 0211 36 75 333
30.Oktober 1998
Rechtswidrige
Nachmeldungen und Klagen gegen Kritiker
Sehr
geehrter Herr Wagner,
Ihnen
ist die Auffassung des OVG Berlin bekannt, daß die
angeblichen "Rechts"-Grundlagen des sogenannten "vereinfachten"
Verfahrens zur Genehmigung von Freisetzungen, das Nachmeldungen ermöglicht, gegen den
EG-Vertrag, die europäische Freisetzungsrichtlinie, das Grundgesetz und das
Gentechnikgesetz der BRD verstoßen.
Der
größte Teil Ihrer bisherigen Freisetzungen in der BRD und in Europa wird sich demnächst
als rechtswidrig und illegal herausstellen.
Nach den
Hinweisen des OVG Berlin haben EU-Kommission
und die ehemaligen Bundesregierung gemeinsam den rechtswidrigen und antidemokratischen
Versuch unternommen, "verfassungsrechtlich garantierte Mitwirkungsrechte im Mantel
einer Kommissionsentscheidung zu überwinden".
Weiterhin
Freisetzungen nachzumelden bedeutet deshalb, diesen rechtsbrüchigen,
antidemokratischen und verfassungsfeindlichen Versuch fortzusetzen, um gegen die
mehrheitliche Ablehnung von Gentechnik in Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft
wissentlich rechtsbrüchig vollendete Tatsachen zu schaffen.
Menschen,
die sich gegen Freisetzungen wehrten, die mit rechts- und verfassungsbrüchigem
Scheinrecht antidemokratisch und illegal durchgesetzt werden sollten, verfolgen und
schikanieren Sie
in Bebra-Iba nun auf der Basis von eidesstattlichen Verleumdungen mit einstweiligen
Verfügungen (Termine am 3. und 13. 11 beim Amtsgericht Rotenburg).
Das ist
unerträglich! Und es ist sicher, daß Sie sich, dem Ansehen Ihres Unternehmens und Ihren
eigenen Zielen - der Beschaffung von Akzeptanz für Gentechnik in Lebensmittelproduktion
und Landwirtschaft - damit nur schaden werden. Wir haben die Presse
bundesweit auf diese beiden Gerichtstermine aufmerksam gemacht.
Deshalb
fordern wir Sie auf,
die
skandalösen Schikanen gegen Menschen zu unterlassen, die sich zu recht gegen Ihre
illegale Nachmeldungspraxis wehren;
Nachmeldungen
von Freisetzungen mindestens solange zu unterlassen, bis dafür eine Rechtsgrundlage
geschaffen ist, die nicht gegen den Vertrag der europäischen Union, nicht gegen
bestehendes europäisches Gemeinschaftsrecht, nicht gegen das Gentechnikgesetz und nicht
gegen die Verfassung der BRD verstößt.
Wir
erwarten von Ihnen eine eindeutige Erklärung, daß Sie auf beides verzichten.
Die
Lebensmittelhandelskonzerne fordern wir auf, sich öffentlich von Freisetzungen und Anbau
zu distanzieren, die rechtsbrüchig und heimlich hinter dem Rücken einer mehrheitlich
ablehnenden Bevölkerung durchgesetzt werden, und nach dem Vorbild von "Billa"
in Österreich Produkte nicht in ihr Sortiment aufzunehmen, die unter Anwendung von
Gentechnik hergestellt wurden.
Der
neuen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer liegt eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen
das Robert-Koch-Institut vor, die sie auffordert, das RKI im Rahmen ihrer Fachaufsicht
anzuweisen, Nachmeldungen wegen fehlender gültiger Rechtsgrundlage fristgerecht zu
widersprechen. Frau Fischer erinnern wir an den Beschluß BündnisGrünen, mit dem
Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion abgelehnt wurde.
Den
beiden neuen Regierungs-Fraktionen erinnern wir die kleinen parlamentarischen Anfragen der
alten Fraktionen (BT-Drucks.
13/4171 und 13/6605) und den Entschließungsantrag des Bundesrates vom 18.4.96
(Niederschr. 121.U), die bereits gerügt hatten, daß die ehemalige Bundesregierung mit
ihrem Beitritt zur rechtswidrigen Entscheidung der EU-Kommission und ihrer rechtswidrigen
Haltung, diese sei in der BRD unmittelbar geltendes Recht, gegen das Gentechnikgesetz und
das Grundgesetz der BRD verstoße.
Den
neuen Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Peter Struck, erinnern wir an die Auffassung des
Staatssekretäres im Bundesforschungsministerium, Herrn Catenhusen,
das "vereinfachte" Verfahren sei "ausgesprochen
unklug". Wir fordern ihn auf, seine Absicht, die neue Bundesregierung zum
beabsichtigten Politikwechsel "anzutreiben", in die Tat umzusetzen: sie nämlich
anzutreiben, nicht in die rechts- und verfassungsbrüchigen Fußstapfen der
ehemaligen Bundesregierung zu treten und rechtswidrige Nachmeldungen weiterhin zu dulden.
Auch mit
dem Ziel Gerhard Schröders, "Modernität in sozialer Gerechtigkeit und menschlichem
Umgang mit den Menschen" ist rechtsbrüchige und antidemokratische Durchsetzung
heimlicher Freisetzungen gegen eine mehrheitlich ablehnende Bevölkerung nicht zu
vereinbaren:
Dies
wird sich mindestens in Baden-Württemberg sehr schnell zeigen: Die Raiffeisen-Genossenschaften
verweigern die Annahme von gentechnisch verändertem Mais und lassen sich von den
Landwirten unterschreiben, daß ihre Ablieferung keine gentechnischen Veränderungen
enthält. Sie weisen auf Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe hin, sollten anhand
zurückbehaltener Proben gentechnische Veränderungen feststellbar sein. Landwirte, die
ahnungslos neben heimlichem Anbau oder rechtsbrüchig nachgemeldeten heimlichen
Freisetzungen Mais anbauen, laufen damit in Gefahr unverschuldet mit
Schadenersatzforderungen überzogen zu werden. Heimlicher Anbau und rechtsbrüchige
heimliche Freisetzungen erweisen sich dadurch in den nächsten Wochen ganz praktisch nicht
als der Weg in eine "Modernität in sozialer Gerechtigkeit und in menschlichem Umgang
mit den Menschen".
Deshalb
fordern wir den neuen Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, sein Bekenntnis zu diesem Weg
einzulösen und die Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer bei der Anweisung an das
RKI zu unterstützen, rechtsbrüchige Nachmeldungen heimlicher Freisetzungen nicht mehr
zuzulassen.
Nur am
Rande verweisen wir auf die zunehmend ablehnende Haltung vieler EU-Mitgliedstaaten
gegenüber Freisetzungen und Anbau der gegenwärtig gängigsten genmanipulierten Pflanzen
und die zunehmenden zufälligen (Pappeln) und wissenschaftlichen Befunde (Florfliege,
Marienkäfer, Arabidopsis), die beginnen, die bisher in Verleugnung hoher Unkenntnis
beteuerte Unbedenklichkeit von Freisetzungen zu widerlegen.
Der sich
abzeichnenden Entwicklung sollten Sie im Interesse Ihres Ansehens, Ihrer Ziele und
zugunsten einer Rückkehr zur Einhaltung von Recht, zu verfassungskonformem und
demokratischem Handeln durch ein öffentliche Erklärung des Verzichtes auf rechtswidrige
Nachmeldungen und schikanöse Klagen gegen Bürger, die sich zu recht gegen diese
Rechtsbrüche wehren, zuvorkommen.
Wer zu
spät kommt, den bestraft das Leben ....
Mit
freundlichen Grüßen
Gernot
Hofmann
aktionsbündnis
für gentechnikfreie lebensmittel |