| Badische Zeitung v. 6.7.2000 ("Mantel" S.9: Aus der
Region)

Oberbadisches Volksblatt Nr. 154 v. 7.7.2000
(Müllheim / Neuenburg und Umgebung)

Naturkost
Aktuelle Meldungen vom 10.07.2000
"Advanta - mit Genraps gegen Landwirte!"
Bugginger Bürgerinitiative gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen
macht mobil
"Für die Vernichtung von ahnungslos ausgesätem GenRaps erhalten
Landwirte vom Saatgutproduzenten Advanta keine Entschädigung. Saatgutimporte aus
Risikoländern wie Kanada will Advanta weiterhin nicht untersuchen. Advanta lehnt auch ab,
benachbarte Landwirte vor Kontaminationsschäden durch rechtzeitige Information über
geplante Freisetzungen und Abstimmung der Anbauflächen zu bewahren." Diese
Behauptungen stellt die Bugginger Bürgerinitiative gegen den Anbau genmanipulierter
Pflanzen (BI) auf.
Advanta, weltweit Nr. 5 der Saatgutkonzerne (1997 437 Mio US-$ Umsatz),
hatte jüngst ohne vorsorgliche Untersuchungen auf Genmanipulationen Rapssaat aus Kanada
vermarktet. Angeblich "versehentlich". Doch Advanta wusste nach Angaben der
Bürgerinitiative: in Kanada verseucht großflächiger GenRapsanbau benachbarte Felder.
Und Advanta untersucht bei der Pflanzenzüchtung tagtäglich Pflanzen auf bestimmte Gene
und Eigenschaften. Auf gleiche Weise hätte Advanta auch die Genmanipulationen entdecken
können, die in Europa keine Zulassung hat. Das räumt Advanta sogar ein, verweigert aber
freiwillige Untersuchungen, so die BI.
Damit, so die Bürgerinitiative, könne von "Versehen" keine
Rede mehr sein. Advanta und andere Konzerne wollten mit verseuchtem Saatgut die Invasion
der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittel doch noch gegen wachsende Ablehnung von
Landwirten und Verbrauchern durchsetzen.. Dafür werde, wie die Haltung von Advanta zeige,
die Schädigungen ahnungsloser Landwirte billigend in Kauf genommen.
Das sei für südbadische Landwirte schon bittere Realität, behauptet die
BI. 1999 habe Pioneer mitten im Maisvermehrungs- und Körnermaisanbaugebiet Südbaden
verseuchtes Maissaatgut illegal vermarktet. 1998 sei heimlich GenMais von Novartis
angebaut worden, der benachbarte Felder verseuchte. Davor hatte die Bürgerinitiative bei
ihrer dreijährigen Aktion gegen GenMais bereits 1995-97 gewarnt. Betroffene Landwirte
mussten für verseuchte Maisernten von 1998 Erlöseinbußen bis 25% hinnehmen, so die
Bugginger Bürgerinitiative gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen. Seither fordern
auch Bauernverband in Südbaden (BLHV), die Raiffeisen-Zentralgenossenschaft und der
Verband der agrargewerblichen Wirtschaft die Landwirte auf, GenMais nicht anzubauen, auch
wenn sie das Saatgut für Versuchsanbau geschenkt bekommen.
Dennoch lehne Advanta ab, benachbarte Landwirte über beabsichtigte
Freisetzungen zu informieren und die Anbauflächen mit ihnen abzustimmen, um Verseuchungen
ihrer Felder zu vermeiden.
Das zeige, so die Bürgerinitiative, die Aussichtslosigkeit der
Gentechnik-Politik in der BRD, die immer noch auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung
setze. Advanta sei dazu offenkundig nicht bereit. Während die französische Regierung
anordnete, den verseuchten Raps zu vernichten und Advanta zu Entschädigungen bewegte,
verharmlose die Politik in der BRD und erspare Advanta Haftung mit dem Aufkauf des
verseuchten Raps aus Steuermitteln (NRW). Das ermuntere Saatgut- und Gentech-Konzerne, das
vorgeschlagene Nutzungs-Moratorium zu brechen, das die Deutsche Industrievereinigung
Biotechnologie (DIB) ohnehin ablehne. Z.B.. mit verseuchtem Saatgut.
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