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Stellen sie sich vor: Sie, ihr Bio-Gärtner oder ein  Landwirt kaufen Saatgut – zum Anbau oder für den Garten. Was nach dem Willen der EU künftig nicht auf der Tüte oder dem Sack stehen soll: 0,3% bis 0,7% des Samens können durch unabsichtliche Verunreinigung gentechnisch verändert sein. Künftig kann also, ohne daß Sie es wissen, gentechnisch verändertes Gemüse in ihrem Garten wachsen. Oder der Landwirt, der seine schlechte wirtschaftliche Lage durch Anbau für die steigende Nachfrage nach gentechnisch unveränderten Ernten verbessern wollte, hat das Nachsehen: denn bei einem ha Anbaufläche sind das 30qm bis 70qm – genug, um die gentechnische Veränderung durch Pollen auf weitere 100qm oder mehr zu übertragen. Die Ernte ist dann schon zu über 1% gentechnisch verändert und erzielt wegen Kennzeichnungspflicht nicht mehr den geplanten Erlös. Trieb der Wind den gentechnisch veränderten Pollen auf den Anbau des Nachbarn, können auch Streitereien um Schadenersatz drohen.

TitelRisikotechniken.jpg (238529 Byte)

Oder stellen Sie sich vor: Ihr Baby schreit – und was Sie auch tun, es hört nicht auf. Niemand hat Ihnen beim Kauf eines schnurlosen Telefons oder eines schnurlosen Netzes für ihre PCs oder vor der Errichtung eines Mobilfunk- und UMTS-Sendemastes in ihrer Nähe, sagen müssen, daß die hochfrequent gepulsten elektromagnetischen Felder, mit denen diese Techniken arbeiten, wissenschaftlich nachweisbar Gehirnströme und das Blutbild verändern, die Ausschüttung von Stresshormonen erhöhen. Schnurlose Telefone und PC-Netze nach DECT-Standard tun das durch die Wände im ganzen Haus. Das durfte Ihnen nur deshalb verschwiegen werden, weil gegenwärtig wissenschaftlich noch ungeklärt ist, ob das zu Gesundheitschäden führt. Das räumen selbst Manager von T-Mobil und Siemens ein. Es wird noch nicht als Zeichen für Gesundheitsschäden gesehen, wenn ihr Baby häufig oder ständig schreit. Aber vielleicht schreit Ihr Baby, weil es sich durch veränderte Gehirnströme und angestiegene Streßhorme so fühlt, als würden Sie es ständig falsch behandeln. Auch das muß nicht zu Gesundheitsschäden führen. Aber wie beeinflusst das die psychische Entwicklung Ihres Kindes? Und was bedeutet es, daß geplante Mobilfunksender nicht mehr gebaut werden, wenn die Eltern in seiner Umgebung vorsorglich das Blutbild ihrer Kinder dokumentieren?

Diese beiden Beispiele zeigen, daß  „Risikotechniken“  mit ungeklärten Folgen bis in Ihr Haus, in Ihren Garten, in Ihre Nachbarschaft wirken.

Gegenwärtig wird in der EU und in der BRD diskutiert, wie der Umgang mit offenen wissenschaftlichen Streitfragen, hoher Unkenntnis, unzureichenden wissenschaftlichen Daten und die Information der Verbraucher über eventuelle Gesundheitsgefährdungen und Nebenwirkungen der Anwendung oder des Verzehrs neuer oder verunreinigter Produkte gesetzlich neu geregelt werden soll. Dies ist dringend erforderlich, weil Forschung und Entwicklung zunehmend in globalen Konzernen stattfindet, die wissenschaftlichen Erkenntnisse als Betriebsgeheimnisse behandeln können. 71% der Ausgaben für Forschung und Entwicklung entfallen bereits auf konzerninterne Forschung. Diesen Anteil will die EU weiter steigern. Dadurch gerät unabhängige, Forschung, die Beweise für Risiken neuer Techniken und Produkte liefern könnte, immer weiter in eine Minderheitsposition.  Dadurch wächst auch die Tendenz, den Mangel an wissenschaftlichen Beweisen für Gefahren, der durch die Struktur der Forschungsfinanzierung verursacht wird, als „Beweis“ für Unbedenklichkeit zu missbrauchen. Dies geschieht sozusagen zwangsläufig, weil nach gegenwärtig geltendem Recht und herrschender Rechtsprechung nur wissenschaftlich gesicherte Wirkungszusammenhänge in Risikobewertungen berücksichtigt werden dürfen. Hohe Unkenntnis über Zusammenhänge, die von Innovationen verändert werden, z.B. Unkenntnis von 95% der Gene von Pflanzen und der Bodenmikroorganismen, bleibt deshalb als Risiko unberücksichtigt.  Auf einer Fachtagung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (zur Gentechnik in der Landwirtschaft) rechtfertigte der Geschäftsführer des Ethik-Institutes Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München diese Rechtslage: Verantwortung müsse weiterhin dort enden, wo die Abschätzbarkeit der Folgen von Technikanwendungen in Unwissen endet.

Das und die Folgen zunehmender Privatisierung von Forschung sind mit der Idee der Agenda21, eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen, unvereinbar. Die Agenda-Idee gebietet das Gegenteil: verantwortungsbewusst auf der sicheren Seite zu bleiben, wenn nicht oder nicht sicher abschätzbar ist, welche Folgen andere Menschen, das Bio- und Ökosystem  treffen. Bisher gilt, daß Handeln in hoher Unkenntnis nicht erlaubt ist: niemand, der 95% der Verkehrsregeln oder der Cockpitinstrumente nicht kennt,  darf eine Auto oder ein Flugzeug steuern. Wer 95% der Pflanzengene und der Bodenmikroorganismen nicht kenn soll aber Ebinformation manipulieren und irreversibel freisetzen dürfen?

Rasanter wissenschaftlich-technischer Fortschritt, weitere neue Technologien, z.B. die Nano-Technologie, und rasante Privatisierung der Wissenschaft und sensibler Versorgungsbereiche, z.B. der Wasserversorgung fordern Wachsamkeit.

Wir, die Gruppe „Risikotechniken“ der lokalen Agenda21 in Wittnau, wollen Wege suchen, diese globale Entwicklung und ihre Folgen durch lokales Handeln zu  beeinflussen. Als ersten Schritt  haben einen Weg gefunden, Ihre Meinung in die Diskussion zur Neuregelung von Technikrecht wirksam einzubringen.  Deshalb laden wir Sie ein, die folgenden Fragen bis zum 1.6. zu beantworten. Wir werden das Ergebnis zunächst in den gegenwärtig Diskurs des BMVEL zur Agrargentechnik einbringen und auf der Agenda-Veranstaltung in Wittnau am 15.6. präsentieren.

Das ist der Auftakt. Wir werden die Entwicklung über die Dauer des Agenda21-Prozesses in Wittnau hinaus beobachten, Sie auf dem Laufenden halten und Möglichkeiten erarbeiten, wie Sie auf die Entwicklung Einfluß nehmen und Vorsorgelücken in den gegenwärtigen und künftigen Gesetzen gemeinsam mit anderen lokal schließen können. Wir laden Sie ein, dabei mitzumachen.