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Faire Technik im Dorf?

Da kann genmanipuliertes Gemüse aus dem eigenen Garten auf den Tisch kommen. Und ein schnurloses Telefon kann das Blutbild, die Gehirnströme verändern und  den Streßhormonspiegel des Babys steigern. Die Ernte eines Landwirts kann mit Genmanipulationen kontaminiert sein. Die Betroffenen wissen nichts davon. Ob die Bürger von Wittnau das so wollen, ob sie das mit der Agenda 21 vereinbar und fair finden und was sie dagegen an ihrem Wohnort tun können, das versucht die Arbeitsgruppe "Risikotechniken" der Lokalen Agenda 21 in Wittnau herauszufinden.

Für die Arbeitsgruppe widerspricht es der Grundidee der Agenda 21, die nachhaltiges und zukunftsfähiges Verhalten herbeiführen soll, Inovationen trotz wissenschaftlich ungeklärter Folgen und hoher Unkenntnis der Zusammenhänge, in die sie verändernd eingreifen, anzuwenden und zu vermarkten. Und das zum Teil heimlich - ohne Wissen der Betroffenen. Dies sei bereits Wirklichkeit. Auch in Wittnau.

Käufern von Saatgut und Setzlingen sollen nach einem Vorschlag der EU-Kommission die Kontamination mit Genmanipulationen verheimlicht werden dürfen, wenn sie bis zu 0,7% nicht überschreitet. Und das, obwohl über 95% der Gene einer Pflanze und über 95% der Bodenmikroorganismen unbekannt sind, d.h. nahezu blind genmanipuliert und freigesetzt wird und deshalb wissenschaftlich ungeklärt ist, wie und mit welchen langfristigen Folgen solche zugelassenen heimlichen Kontaminationen sich verbreiten. Das ist das Gegenteil von nachhaltigem und zukunftsfähigem Verhalten, das die Agenda 21 anstrebt. Für Landwirte würde das bedeuten: sie werden nicht wissen, daß auf jedem ha ihres Ackers 70 qm genmanipulierte Pflanzen wachsen und durch Pollenflug die Früchte der übrigen Pflanzen auf ihrem Acker oder dem ihres Nachbarn kontaminieren. Nur weitere 31 qm   kontaminierter Pflanzen je ha reichen aus, um die Ernte als "genmanipuliert" deklarieren zu müssen. Dann wird der Landwirt für seine Ernte erheblich niedrigere Elöse erzielen als er geplant hatte. Das wird früher oder später zu sozialen Konflikten und Schadenersatz-Streitereien zwischen Nachbarn führen.

Käufer von schnurlosen Telefonen oder Betroffene von Mobilfunksendern müssen nicht einmal darauf hingewiesen werden, daß die Veränderung des Blutbildes, der Gehirnströme und Erhöhung des Streßhormonspiegels wissenschaftlich bewiesen ist, aber wisswenschaftlich noch ungeklärt ist, ob das die Gesundheit oder die psychische Entwicklung von Babys schädigt. Dennoch darf diese Technik schon angewendet und vermarktet werden. Das ist das extreme Gegenteil von nachhaltigem und zukunftsfähigem Verhalten und der Grundidee der Agenda 21.

Die Arbeitsgruppe hat das Ziel, die Bürger über lokal präsente, aber verborgene Folgen solcher "Risikotechniken" und die derzeitigen Lücken staatlicher Vorsorgezu informieren. Ein Fragebogen soll jetzt die Haltung der Wittnauer zu ihrer Betroffenheit ermitteln, die die Gruppe in die  Diskurs- und Entscheidungsprozesse zu Gesetzesnovellierungen einbringen wird - gegenwärtig in den Diskurs zur Agrar-Gentechnik des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.

An diesem Diskurs kritisiert ein leitender Mitarbeiter der Akademie für Technikfolgenabschätzung Baden-Württemberg, daß ihm jede unmittelbare Bürgerbeteiligung fehle. Diese Diskurs-Lücke will die Arbeitsgruppe mit dem Ergebnis der Umfrage in Wittnau verkleinern. Sie hofft, daß andere Orte diesem Beispiel folgen und künftige Diskurse die Bürger einbeziehen, um zu einer wirklichen gesellschaftlichen Debatte zu werden.

Auch mit den Lücken in der staatlichen Vorsorge, die bisher erlauben, daß z.B. genmanipuliertes Gemüse ebenso klammheimlich wie legal aus dem eigenen Garten auf den Tisch kommt oder der Streßhormonspiegel von Säuglingen durch schnurlose Telefone in der Nachbarwohnung oder Mobilfunksender gesteigert wird, befaßt sich die Gruppe intensiv. Sie will mittelfristig Wege erarbeiten, auf denen die Gemeinde ihm Rahmen ihrer lokalen rechtlichen Möglichkeiten diese Lücken verkleinern oder schließen kann, um absehbare soziale Konflikte und nachbarliche Streitereien zu vermeiden.

Weiter Informationen präsentiert die Gruppe unter www.aktionsbuendnis.net/Aktionen/Risikotechniken/risikote.htm