"Versuchsfeld mit
genmanipuliertem Raps von Bayer/Aventis außer Kontrolle! Imker
decken auf, dass deutscher Raps-Honig gentechnisch
verunreinigt ist!" So eine Pressemeldung vom 5. Juli 2002.
Zwar sind gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland noch
verboten, ihr kommerzieller Anbau also nicht gestattet. Doch
durch die Genehmigung von Freisetzungsversuchen mit
gentechnisch veränderten Pflanzen schafft die Industrie
zunehmend Tatsachen - durch die Hintertür. Denn eine
Verunreinigung durch Auskreuzung von gentechnisch
manipulierten mit normalen Pflanzen durch Insekten oder
Pollenflug, läßt sich nicht verhindern. Der "Gen-Honig" ist
nur ein Beweis dafür, wie die Gentechnik außer Kontrolle
gerät.
Ein anderer Beweis fand sich im Herbst 2001 in
Niedersachsen, in Helvesiek. Auch dort konnte durch
wissenschaftliche Analysen bestätigt werden, daß ein
Versuchsfeld mit Gen-Mais auf die normalen Maispflanzen
ausgekreuzt hat. Das zuständige Ministerium beschlagnahmte und
vernichtete den Mais, damit dieser weder in Futtermittel noch
in die Nahrungskette gelangt. Allerdings mußte erst eine
Bürgerinitiative gemeinsam mit Greenpeace aktiv werden, um
politische Aktivität auszulösen.
"Man kann keine Mauern, und seien sie auch noch so hoch, um
die Versuchsfelder bauen, um eine Auskreuzung zu verhindern",
stellt denn auch Percy Schmeiser, ein kanadischer Farmer, in
der Dokumentation "Gefährliche Saat - Von Genen, Gott und
Geld" fest. Der streitbare Rapsbauer wurde von dem Konzern
Monsanto auf Schadensersatz verklagt, weil dieser es als
erwiesen ansah, dass Schmeiser gentechnisch veränderten und
patentierten Monsanto-Raps angebaut habe, ohne dafür
Lizenzgebühr zu bezahlen. Trotz widersprüchlichster Beweislage
verurteilte das Gericht Percy Schmeiser zu 200.000 Euro
Schaden- und Kostenersatz. Das Urteil löste weltweites Empören
aus. Schmeiser ging in die Berufung. Selbst Kanadas Regierung
gibt heute offiziell zu, daß Gen-Raps allgegenwärtig ist, eine
Auskreuzung also gar nicht mehr zu vermeiden ist.
Nach der BSE-Krise
beschloß die deutsche Regierung im Jahr 2000 ein Moratorium,
das die Ausbringung gentechnisch veränderten Saatgutes
zurückstellte. Doch die Absichtserklärung bröckelt: Denn das
Bundessortenamt in Hannover hat dieses Jahr die Ausbringung
von 50 Tonnen gentechnisch veränderten Mais - zu
Versuchszwecken - gestattet. Eine Auskreuzung wird von den
Verantwortlichen somit in Kauf genommen. Noch sind die
Lebensmittel bei uns weitgehend "gentechnik-frei", daß es so
bleibt, dafür setzen sich auch die Kirchen ein. Die
evangelische Landessynode in Hannover hat beispielsweise
beschlossen, daß gentechnisch verändertes Saatgut auf
Kirchengrund nicht angebaut werden darf. Das Moratorium läuft
im Herbst aus und soll verlängert werden, dafür tritt Dr.
Margot Kaesmann, Bischöfin von Hannover, vehement ein.
Sind gentechnisch veränderte Pflanzen ein Eingriff in die
Schöpfung? Wissen die Wissenschaftler, was sie tun, wenn sie
Gene manipulieren und über Artgrenzen hinweg in Pflanzen
einbauen? Sind Patente auf Pflanzen, sogar auf ganze Felder,
ethisch vertretbar? Auf diese Fragen suchen in dem Film
Naturwissenschaftler und Theologen eine Antwort.
Weltweit findet eine nie dagewesene Konzentration des
Saatgutmarktes statt. Bestimmen die großen multinationalen
Agro-Konzerne zukünftig, was angebaut, was geerntet wird?
Werden die Abhängigkeiten für Bauern immer enger? "Die Bauern
sind die Sklaven des 21. Jahrhunderts," so sieht es der
Sprecher der bayerischen Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher
Landwirtschaft, Rainer Huber, und wendet sich gegen eine
Bestimmung der Konzerne vom "Acker bis zum Tellerrand."
Der Film zeigt auch den Kampf der deutschen Bauern gegen
die Nachbaulizenzen für Saatgut. Damit wird das über
Jahrhunderte bestehende Landwirteprivileg ausgehebelt. Dieses
sicherte dem Landwirt die kostenfreie Nutzung des Saatgutes
zum Wiederanbau. Mit Methoden, die auch der Bundesgerichtshof
in Karlsruhe für nicht rechtens erachtete, versucht die Bonner
Saatguttreuhand Verwaltungs GmbH, an detaillierte
Informationen über den Anbau von Pflanzensorten zu kommen, um
so Lizenzen zu kassieren. Kritische Bauern sehen darin den
Versuch, sie "gläsern" zu machen. Sollte patentiertes und
gentechnisch verändertes Saatgut in Zukunft erlaubt sein, wäre
der Zugriff auf die Bauern bereits vorhanden, so die
Befürchtungen von Greenpeace.
Dabei bestätigen jüngste Umfragen: die überwiegende
Mehrheit der Bundesbürger, auch der Europäer, wollen kein
Gen-Food. Noch verzichtet einer der größten
Lebensmittelkonzerne auf Genbestandteile in der Nahrung,
richtet sich nach den Verbraucherwünschen. Die Verbraucher
haben es in der Hand
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