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Freitag, 31.08.2001, 21:45 Uhr


ARD-exklusiv

GEFÄHRLICHE SAAT - Von Genen, Gott und Geld

Gefährliche Saat © BR "Versuchsfeld mit genmanipuliertem Raps von Bayer/Aventis außer Kontrolle! Imker decken auf, dass deutscher Raps-Honig gentechnisch verunreinigt ist!" So eine Pressemeldung vom 5. Juli 2002. Zwar sind gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland noch verboten, ihr kommerzieller Anbau also nicht gestattet. Doch durch die Genehmigung von Freisetzungsversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen schafft die Industrie zunehmend Tatsachen - durch die Hintertür. Denn eine Verunreinigung durch Auskreuzung von gentechnisch manipulierten mit normalen Pflanzen durch Insekten oder Pollenflug, läßt sich nicht verhindern. Der "Gen-Honig" ist nur ein Beweis dafür, wie die Gentechnik außer Kontrolle gerät.

Ein anderer Beweis fand sich im Herbst 2001 in Niedersachsen, in Helvesiek. Auch dort konnte durch wissenschaftliche Analysen bestätigt werden, daß ein Versuchsfeld mit Gen-Mais auf die normalen Maispflanzen ausgekreuzt hat. Das zuständige Ministerium beschlagnahmte und vernichtete den Mais, damit dieser weder in Futtermittel noch in die Nahrungskette gelangt. Allerdings mußte erst eine Bürgerinitiative gemeinsam mit Greenpeace aktiv werden, um politische Aktivität auszulösen.

"Man kann keine Mauern, und seien sie auch noch so hoch, um die Versuchsfelder bauen, um eine Auskreuzung zu verhindern", stellt denn auch Percy Schmeiser, ein kanadischer Farmer, in der Dokumentation "Gefährliche Saat - Von Genen, Gott und Geld" fest. Der streitbare Rapsbauer wurde von dem Konzern Monsanto auf Schadensersatz verklagt, weil dieser es als erwiesen ansah, dass Schmeiser gentechnisch veränderten und patentierten Monsanto-Raps angebaut habe, ohne dafür Lizenzgebühr zu bezahlen. Trotz widersprüchlichster Beweislage verurteilte das Gericht Percy Schmeiser zu 200.000 Euro Schaden- und Kostenersatz. Das Urteil löste weltweites Empören aus. Schmeiser ging in die Berufung. Selbst Kanadas Regierung gibt heute offiziell zu, daß Gen-Raps allgegenwärtig ist, eine Auskreuzung also gar nicht mehr zu vermeiden ist.

Gefährliche Saat © BR Nach der BSE-Krise beschloß die deutsche Regierung im Jahr 2000 ein Moratorium, das die Ausbringung gentechnisch veränderten Saatgutes zurückstellte. Doch die Absichtserklärung bröckelt: Denn das Bundessortenamt in Hannover hat dieses Jahr die Ausbringung von 50 Tonnen gentechnisch veränderten Mais - zu Versuchszwecken - gestattet. Eine Auskreuzung wird von den Verantwortlichen somit in Kauf genommen. Noch sind die Lebensmittel bei uns weitgehend "gentechnik-frei", daß es so bleibt, dafür setzen sich auch die Kirchen ein. Die evangelische Landessynode in Hannover hat beispielsweise beschlossen, daß gentechnisch verändertes Saatgut auf Kirchengrund nicht angebaut werden darf. Das Moratorium läuft im Herbst aus und soll verlängert werden, dafür tritt Dr. Margot Kaesmann, Bischöfin von Hannover, vehement ein.

Sind gentechnisch veränderte Pflanzen ein Eingriff in die Schöpfung? Wissen die Wissenschaftler, was sie tun, wenn sie Gene manipulieren und über Artgrenzen hinweg in Pflanzen einbauen? Sind Patente auf Pflanzen, sogar auf ganze Felder, ethisch vertretbar? Auf diese Fragen suchen in dem Film Naturwissenschaftler und Theologen eine Antwort.

Weltweit findet eine nie dagewesene Konzentration des Saatgutmarktes statt. Bestimmen die großen multinationalen Agro-Konzerne zukünftig, was angebaut, was geerntet wird? Werden die Abhängigkeiten für Bauern immer enger? "Die Bauern sind die Sklaven des 21. Jahrhunderts," so sieht es der Sprecher der bayerischen Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, Rainer Huber, und wendet sich gegen eine Bestimmung der Konzerne vom "Acker bis zum Tellerrand."

Der Film zeigt auch den Kampf der deutschen Bauern gegen die Nachbaulizenzen für Saatgut. Damit wird das über Jahrhunderte bestehende Landwirteprivileg ausgehebelt. Dieses sicherte dem Landwirt die kostenfreie Nutzung des Saatgutes zum Wiederanbau. Mit Methoden, die auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe für nicht rechtens erachtete, versucht die Bonner Saatguttreuhand Verwaltungs GmbH, an detaillierte Informationen über den Anbau von Pflanzensorten zu kommen, um so Lizenzen zu kassieren. Kritische Bauern sehen darin den Versuch, sie "gläsern" zu machen. Sollte patentiertes und gentechnisch verändertes Saatgut in Zukunft erlaubt sein, wäre der Zugriff auf die Bauern bereits vorhanden, so die Befürchtungen von Greenpeace.

Dabei bestätigen jüngste Umfragen: die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger, auch der Europäer, wollen kein Gen-Food. Noch verzichtet einer der größten Lebensmittelkonzerne auf Genbestandteile in der Nahrung, richtet sich nach den Verbraucherwünschen. Die Verbraucher haben es in der Hand